Bikeurlaub in Eggental/Südtriol

Text Lena Seidl Bild Stefan Schopf
Reise

Ein Dorf voller Sterne

Vorbei an Bozen, der Hauptstadt von Südtirol, sieht man sie bereits nach kurzer Zeit durch die Bäume blinzeln, imposant und ziemlich bleich: die Gipfel des Latemar-Massivs. Angemessen beeindruckt schlingern wir mit dem Auto weiter eine kleine Passstraße hinauf, bis wir Eggen, das Dorf im Herzen des UNESCO Welterbes erreicht haben. Nach einer turbulenten letzten Woche in Schule und Büro sehnen wir uns geradezu nach frischer Bergluft, Kopf-frei-Radeln und Ruhe. Die Welt scheint sich hier noch etwas langsamer zu drehen. Ob so etwas wirklich möglich ist, wollen wir heute noch herausfinden.

Die einzige Sternwarte Südtirols

Im Sternendorf Gummer nämlich. Etwa 20 Minuten Fahrzeit von unserem Ausgangsort Eggen entfernt, befindet sich dort die erste und einzige Sternwarte Südtirols, ein Planetarium und die Sonnenwarte. Ideal also, um sich den Sternenhimmel einmal genauer anzusehen. Oder auf-kommende Fragen zu verschieden empfundenen Drehgeschwindigkeiten der Erde, weit entfernten Galaxien oder auch der bedeutsamen Größe manches Alltagsärgers beantworten zu lassen. Die Welt dreht sich hier natürlich nicht langsamer, die Menschen machen nur vielleicht irgendetwas anders, irgendetwas richtig!
So hüpfen wir am nächsten Tag nach dem Frühstück auf unsere Bikes um auch dieses Geheimnis zu lüften.

Mountainbike Trails zwischen Latemar und Rosengarten

Unsere Hotelbesitzerin Carola will uns einen ihrer Hometrails zeigen. Leichte Skepsis macht sich breit, zu oft schon hat sich unser Verständnis von einem feinen Trail stark von dem der Hoteliers unterschieden und wir fanden uns am Ende doch auf einer „flowigen Schotterpiste“ wieder. Am Ende vertrauen wir unserem Bauchgefühl und kurbeln mit einer kleinen Gruppe Hotelgäste in Richtung Latemar.

Während wir auf einem kleinen Waldpfad durch den dichten Fichtendschungel pedalieren, verstehe ich, warum sich um dieses Gebiet so viele Sagen und Mythen ranken. Hier entspringt eine Quelle, die einen ganzen Bergbach nährt. Dort wächst wilder Spinat und immer wieder geben die hoch gewachsenen Nadelbäume den Blick auf Rosengarten- , Schlern- und Latemarmassiv frei. Carola hat uns nicht zu viel versprochen und es zeigt sich, dass nicht nur die ladinische Mentalität, sondern auch die heimischen Trails unser MTB-Herz höher schlagen lassen.

Abwechslungsreich geht’s zu im Eggental. Bergseen, wilde Almwiesen und dichte Wälder wech-seln sich auf unseren Fahrten ab.

"Auf dem schmalen Waldpfad inmitten des dichten Fichtendschungels verstehe ich plötzlich, warum sich um dieses Gebiet so viele Sagen und Mythen ranken."

Zwergenkönig Laurin und geheime Zaubertrails

Fast rechne ich damit, dass mir hinter der nächsten Kurve Zwergenkönig Laurin vor die Füße purzelt und uns geheime Zaubertrails in seinem Rosengarten verrät. Oder vielleicht treffen wir auch den alten Venediger, dessen Puppen mit seidenen Kleidern über uns als versteinerte Felsspitzen empor ragen? Ganz in Gedanken versunken, bemerke ich gar nicht, wie die Gruppe plötzlich Halt macht. Ein schattiges „Brotzeitbankerl“ hat wohl noch mehr zu bieten als nur ei-nen ruhigen Platz zum Kraft tanken. Lächelnd zieht Carola ein kleines Schnapsfläschchen aus einem Versteck heraus.
Kleinigkeiten, die eine Biketour immer wieder neu zu einem Erlebnis machen. In den Wäldern rund um das Eggental gibt es viele dieser kulinarischen Besonderheiten zu entdecken. So hat zum Beispiel ein Winzer aus der Gegend ein paar seiner gut gefüllten Weinkisten auf einer Bergkuppe versteckt - bereit, Einheimischen und Gästen die Rast zu verfeinern.

Das Latemargebirge hat seinen Namen der altladinischen Bezeichnung „cresta de Lac-te-mara“ zu verdanken, was übersetzt „Bergkamm über dem See im Kar“ bedeutet.
Am Fuße des Felsmassivs liegt der farbenprächtige Karersee, in dem sich Latemar und Rosengarten spiegeln. Einer weiteren Sage nach riss der Hexenmeister von Masaré, nachdem er von der wunderschönen Wasserjungfrau verschmäht wurde, vor Liebeskummer einen Regenbogen vom Himmel und schmetterte ihn mitsamt seinen Juwelen in den See. Seitdem glitzert dieser in satten, tiefen Regenbogentönen und zieht Menschen aus aller Welt in seinen Bann. Die steilen Riffe über den Almwiesen bestehen größtenteils aus Sedimentgestein, das bis ins Jahr 1920 zur Farbgewinnung abgebaut wurde.

Und auch der Genuss kommt nicht zu kurz. Entspanntes Trailsurfen und anschließend ein Glas Wein auf der Berghütte.

"Wieder etwas gelernt: „Kare“ sind muldenförmige Vertiefungen an Berghängen, unterhalb von Gipfel- oder Kammlagen. „Kar“ kommt vom althochdeutschen „char“ für „Trog“ oder „Krug“."

Der Rosengarten

Der Rosengarten liegt eingebettet zwischen dem Tierser Tal im Westen und dem Fassatal im Osten, inmitten der Dolomiten. Wer einmal das rote Glühen des steinigen Rosenstocks in der Abenddämmerung gesehen hat, begreif recht schnell, wie sich früher die Menschen dieses Naturphänomen mit Hilfe einer Sage zu erklären versuchten. Der Name „Rosengarten“ stammt jedoch im Deutschen sowie im Italienischen nicht von der Geschichte um den Zwergenkönig Laurin, sondern von Wortumschreibungen für eine „Gegend mit Geröll“ oder auch eine „Ge-röllhalde“. Seit 2003 ist der Naturpark Schlern-Rosengarten Teil des Welterbes Dolomiten und hat mit seinem höchsten Gipfel, dem Kesselkogel (3.004m), auch einen Dreitausender zu bie-ten. Unterhalb des Rosengartens liegt der Nigerpass. Er verbindet das Tierser Tal mit dem Karerpass und gehört mit Steigungen von bis zu 24 Prozent zu einem der steilsten Pässe Italiens. Der Karerpass liegt genau zwischen den beiden Felsbrocken Rosengarten und Latemar und wurde früher vor allem von lokalen Hirten und Säumern frequentiert. Heute dient er Radfahrern und Wanderern als beliebter Ausgangspunkt für viele Touren in dem touristisch noch nicht allzu erschlossenen Gebiet.

Ruhig, bescheiden und ziemlich köstlich

Aufgetankt mit frischer Luft, beeindruckenden Panoramen und geheimnisvollen Geschichten ist uns nun doch ein bisschen nach Gesellschaft zumute. Und Hunger haben wir auch!
Bereits zum 14. Mal richtet der Sportclub Eggen Anfang August das jährliche Schupfenfest rund um die Almen in Obereggen aus. Als „Schupfen“ werden in Südtirol Schuppen und kleine La-gerhütten bezeichnet, die an diesem Tag in Schattenspender, Heimatküche oder Live-Bühne verwandelt werden. Traditionelle Gerichte und heimische Weine sorgen für das leibliche Wohl, kleine Spielstationen für die Kinderbeschäftigung und schmissige Tiroler Volksmusik für den nötigen Schwung in der Hüfte. Wir treten bereits früh am Morgen die Forststraße nach Ober-eggen hinauf, um vor dem gemütlichen Teil des Tages (und vor den Menschenmassen) noch die Oberegger Trails zu erkunden. Oben angekommen, rumpeln wir auf kleinen angelegten Wegen in Richtung Almenfest. Es duftet nach frisch gebrutzelten Strauben (einer Südtiroler Süßspeise, die mit Preiselbeeren serviert wird) und das Knödelwasser blubbert in den Töpfen. Fein ist es hier im Eggental - ruhig, bescheiden und ziemlich köstlich!

Nach der Tour gilt es zu entspannen, zu essen und zu feiern.

Wissen

Empfohlen von:
Sissi (Kaiserin von Österreich), Agatha Christie, Karl May, Sigmund Freud.

Ein Stück Eggental in den renommiertesten Konzertsälen der Welt:
Die naturbelassene Haselfichte aus dem Latemar-Forst mit dem charakteristischen, wellenför-migen Verlauf der Jahresringe erfüllt höchste Anforderungen an Ton- und Klangholz.

Highlights

Aperitif beim Abendglühen unter dem Rosengarten oder Sonnenuntergangspicknick mit Aussicht.

Wild-& Waldwochen: Gämsen, Rehe und Hirsche aus nächster Nähe beobachten.
Beeren, Kräuter, Pilze, Wild auf dem Tisch!

Weitere Infos: Eggental

Wanderkarten

- Kompass 629
Rosengarten Catinaccio – Latemar
- Tabacco 029
Schlern – Rosengarten

GPS-Touren

Eggental

Geführte Touren

Info und Anmeldung direkt in den Tourist-Büros oder unter 0039 0471 619 500 oder info@eggental.com