Warum sich Tuning von Pedelecs verbietet

Text Matthias Baumgartner Bild Andreas Mayer, Bosch eBike Systems
E MTB

6 Argumente gegen das Tuning von Pedelecs

Tuning beschäftigt aktuell die Branche. Zu Recht, finden wir, und haben 6 Gründe zusammengetragen, warum sich das Tunen von Pedelecs und E-Mountainbikes verbietet.

 

Aus der E-MTB Spezial N°1.19

"Pedelec 25 km/h ist ein Geschenk für Biker! Action im Uphill Flow, Fitness und Naturerlebnis für mehr Menschen und Horizonterweiterung für etablierte Mountainbiker. Sich und anderen egoistisch mit Tuning diese Freiheit zu vermasseln, wäre dumm. Von den ganzen Rechtsfolgen, die bei Verstössen und Unfällen entstehen können, will ich gar nicht erst reden. Bleibt sauber Leute!!! "
Stefan Schlie, eMountainbike-Vordenker

1. Wer tunt, begeht mehr als ein Kavaliersdelikt.

Haftung ist für uns alle ein wichtiges und vor allem brisantes Thema. Bei Unfällen mit einem getunten eMountainbike ist man mit einem Fahrzeug ohne Versicherungsschutz unterwegs – auf der einen Seite hat man so die Unfallkosten allein zu tragen, andererseits handelt es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern einen Straftatbestand.

2. Wer tunt, verliert seinen Garantieanspruch.

Ein Pedelec muss CE-konform sein, also dem Produktsicherheitsgesetz sowie der EU-Maschinenrichtlinie entsprechen. Durch das Tuning sind Pedelecs das meist nicht mehr. Der Eingriff von außen führt im Normalfall zu einem Erlöschen der Herstellergarantie. Darüber hinaus befindet sich das System in einem längeren Zeitraum quasi in der anstrengenden Bergfahrt und entwickelt unter Volllast mehr Hitze. Das geht zu Lasten der Langlebigkeit der beteiligten Antriebsbauteile.

3. Wer tunt, verliert wertvolle Akkuleistung.

Durch Tuning entsteht eine größere Belastung für das Gesamtsystem – diese geht auf Kosten der Akkuleistung – die Reichweite sinkt somit. Zudem erhöht sich der Windwiderstand quadratisch mit der Geschwindigkeit. Ab 25 km/h wird damit ein großer Teil der wertvollen Akkuladung sprichwörtlich gegen den Wind geblasen. Lieber wollen wir doch mehr Reichweite und Unterstützung, wenn sie nötig und effizient ist.

4. Wer tunt, hat keinen Vorteil in den Bergen.

Bei 20 % Steigung mit dauerhaften 150 Watt Eigenleistung und 300 % Unterstützung werden „lediglich“ 20 km/h erreicht. Damit ist im Anstieg eine höhere Abriegelgeschwindigkeit gar nicht nötig. Und bergab? Da bleibt die eigene Fähigkeit, das Gelände und die Weitsicht der limitierende Faktor. Tuning bringt hier wirklich keinen Vorteil.

5. Wer tunt, gefährdet die Rechte und Freiheiten von eMountainbikern.

Sollte es vermehrt Fälle von Tuning in Unfallzusammenhängen im Wald, aber auch auf der Straße geben, steigt die Gefahr, dass sich der Gesetzgeber der Thematik annimmt. eMountainbikes werden dann vermutlich ihren Status als Fahrräder verlieren – und jetzt mal ganz ehrlich, eMountainbiken ohne Wald, ohne Berg und ohne Natur ergibt wenig Sinn.

6. Wer tunt, dem entgeht das schönere Gruppenerlebnis.

Auf Strecken mit moderaten Anstiegen und welligen Trails bleibt die Gruppe zusammen, denn die schnelleren eBiker fahren gegen die Abregelgeschwindigkeit und die langsameren eBiker können gut folgen. Mit Tuning und mit „offenen Systemen“ fahren die Schnellen voraus und hängen die anderen ab und die Gruppe fällt auseinander.

Eine einfache Lösung!?
Du siehst, es gibt wenige Gründe für Tuning, dafür einige sehr gewichtige dagegen. Die Industrie versucht aktuell, Tuning wirkungsvoll zu verhindern, doch auch wir als Verbraucher sind gefragt. Ein klares Nein zu Tuning hilft uns allen, die Rechte und Freiheiten, die wir mit einem eMountainbike genießen, auch weiterhin zu erhalten. Es wäre doch schade, wenn wir unseren Freizeitspaß in Zukunft wegen Tunings einschränken müssten.

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"Uns ist es wichtig, dass eBikes – das heißt Pedelecs mit einer Unterstützung bis maximal 25 km/h – auch zukünftig als Fahrräder gelten, mit allen Rechten und Pflichten. Diesen Status müssen wir schützen und erhalten, damit die Radfahrer auch weiterhin auf Waldwegen und Trails die Natur genießen können. Deswegen setzen wir uns bei Bosch eBike Systems für ein verantwortungsbewusstes, gesetzes- und regelkonformes eBiken ein. Tuning ist im öffentlichen Straßenverkehr verboten und bei sportlichen Veranstaltungen unfair. Wir fordern daher alle eBike-Fahrer und Anbieter auf, Tuning zu unterlassen. "
Claus Fleischer, Geschäftsleiter Bosch eBike Systems