Enduro One 2019 – Tourstop Nr. 3 in Aschau

Text Markus Lang Bild Enduro One
Event

Enduro One Aschau 2019 - steil, steiler, Kampenwand

Am letzen Juni-Wochenende startete die Enduro One in ihr drittes Rennen der Serie. Es ging in das kleine Örtchen Aschau im Chiemgau, am Fuße der Kampenwand. Bei großer Hitze fanden sich über 500 Starter ein um die steilen Anstiege der Kampenwand kennen zu lernen.

Staubig, steil und richtig heiß

Ende Juni startete die Enduro One in ihr drittes Rennen der Saison und gastierte im schönen Aschau im Chiemgau, am Fuße der Kampenwand...

Samstag. Die Temperaturen pegeln sich bei schweißtreibenden 34 °C ein und so hat das Starterfeld von rund 500 Fahrern einiges zu leisten, um die Trainingsetappe am Samstag zu meistern. Vier von insgesamt sieben Stages können trainiert werden, was bei einem Zeitfenster von 3 Stunden und über 700 hm eine ziemliche Herausforderung wird - die Auffahrt zur Kampenwand hat eine Steigung von ca. 20 %. Wir schaffen lediglich zwei Stages, bevor es in den Prolog geht. Dieser war, wie schon im letzten Jahr, gleichzeitig Stage 5 und kann mit einigen Änderungen aufwarten.
Durch die vorherrschenden Temperaturen ist der Boden extrem trocken und staubig, was die Fahrt eher zu einer Rutschpartie werden lässt. Mein Prolog läuft trotz einiger grober Patzer gut und ich kann mich in der zweiten Startgruppe für das Hauptrennen platzieren. Dies bedeutet zwar weniger Schlaf, aber dafür auch weniger Hitze in den Morgenstunden.

Wir haben noch nicht genug

Nachdem alle aus unserer Truppe ihren Prolog absolviert haben, entschließen wir uns, die zwei fehlenden Stages am späten Nachmittag zu fahren. Glücklicherweise hängen diese beiden Stages mehr oder weniger zusammen und wir müssen nur einmal eine lange Steigung hinauf treten. Stage 6 ist ein witziger Singletrail, mit viel Waldboden und einigen offenen Spitzkehren, die einen gerne mal nach außen tragen. Gut, dass wir sie noch einmal angesehen haben, blind wäre die Stage wohl ein Fiasko geworden. Zu guter Letzt rollen wir noch Stage 7 ab, eine eher kurze Stage die abwechselnd mit einer schmalen steinigen Traverse und weiten offenen Kurven punkten kann. Trainingstag geschafft! Ab an den Grill und den Tag bei Fachsimpeleien ausklingen lassen.

Die wichtigeste Anlaufstelle im Training und im Rennen

Über 500 Fahrerinnen und Fahrer zog es dieses Jahr nach Aschau

Die Hochs und Tiefs eines Rennens

Es ist Sonntagmorgen, 8 Uhr, ich habe noch etwa 45 Minuten bis zum Start und versuche mich und mein Material vorzubereiten. Ich hatte eine ziemlich kurze Nacht - irgendwann gegen halb 5 Uhr morgens begann ein starker Wind zu wehen und mein Sonnensegel riss sich aus der Verankerung, schlug immer wieder auf mein Autodach und hielt mich vom Schlaf ab.
Etwas desorientiert sortiere ich jetzt meine Riegel und fülle mein Hip Pack auf. Meine Motivation liegt noch im Bett und so versuche ich mich auf das Rennen zu fokussieren.

8:42 Uhr ich starte mit 20 anderen Fahrern Richtung Stage 1, langsam komme ich in Schwung und werde wach. Nach etwa einem Kilometer wird mir langsam klar wo wir hinfahren - Stage 1 ist die letztjährige Stage 6 - nicht gerade eine meiner liebsten Strecken. Die Stage hat einige fiese Gegenanstiege, meist nach einer 90° Kurve, wenn der Schwung fehlt. Überraschenderweise kann ich mich aber sehr gut an die Stage erinnern - ein Vorteil, den mir leider beim ersten Anstieg ein Abfliegen meiner Kette zunichte macht. Shit happens, kann ja mal passieren, auf zur nächsten Stage.

Das Bachbett und der wilde Ritt

Nach dem ersten langen Anstieg stehen wir am Start zur zweiten Stage - das Bachbett. Eine sehr schnelle, aber auch anspruchsvolle Strecke. So hat man am Anfang einen sehr schnellen weiten Bereich, der in einer eng zulaufenden Kurve zurück in einen Trail führt. Dort beginnt das Bachbett, welches ziemlich rutschig aber trotzdem verdammt schnell ist. Hier ist eine solide Linie von Vorteil, wenn man nicht gerade in die schroffen Steine knallen möchte. Die Stage läuft richtig gut und ich komme 8. schnellster durch die Schikanen.

Nun folgt der nächste längere Anstieg zu Stage 3, langsam macht sich die Wärme bemerkbar und ich mache eine ausgedehntere Pause an der Verpflegung. Der Reitweg an der Kampenwand teilt sich in Stage 3 und 4 auf, eine sehr schnelle steinige Strecke. Am meisten Angst muss man hier vor Platten haben, ansonsten ist der Weg eigentlich nicht sonderlich schwierig. Eigentlich, denn das kann auch ganz schnell anders ausgehen.

Ich kenne die Strecke gut und habe dementsprechend auch mein Tempo in der Stage hochgefahren. Alles läuft prima, bis ich an eine Stelle komme, an der man zwischen Steine hineinspringt. Das lief bei einer Abendrunde prima und so springe ich auch im Rennen selbstbewusst in dieses kleine Fenster zwischen den Steinen. Leider bin ich bei weitem schneller als ein paar Tage zuvor, was zur Folge hatte, dass ich zu weit nach rechts komme und ein Stein mein Hinterrad wegfeuert. Ehe ich es realisiere, finde ich mich einen Meter unterhalb der Strecke in der Böschung wieder und versuche vergeblich zurück auf die Strecke zu kommen. Nach gefühlten Minuten stehe ich wieder oben, richte meinen Lenker gerade und rolle niedergeschlagen in das 100 Meter entfernte Ziel.

Nun steigt der Druck in mir, ich weiß, ich habe ordentlich Zeit durch den Sturz vergeben und so trete ich in Stage 4 noch ein bisschen mehr in die Pedale. Die ersten beiden Spitzkehren erwische ich ziemlich gut und kann viel Geschwindigkeit mitnehmen. Zudem habe ich vom letzten Jahr gelernt und meine Beine beim Uphill geschont, was mir einiges an Kraft beim pedalieren in den Stages sicherte. Gerade in Stage 4, die eher zu den flacheren gehört, macht sich das positiv bemerkbar. Alles läuft gut, bis zur letzten langen links Kurve. Ich fahre zu weit innen und touchiere mit meinem Lenker die Felswand. Wie einen Pingpong-Ball wirft es mich nach rechts in Richtung Böschung, im letzten Moment kann ich mich noch an einem Baum mit den Händen abfangen. Wieder dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis ich zurück auf der Strecke bin und schlussendlich ins Ziel rollen kann.

Die restlichen Strecken rolle ich nur noch ab - ich möchte nicht nochmal stürzen. Schlussendlich komme ich als 33. ins Ziel und bin froh, dass es nur bei ein paar blauen Flecken geblieben ist.

Die Ergebnisse

E1 Wild Childs U10: Nils Beckenbauer (BunGuard Racing Team)
E1 Wild Childs U13: Lukas Lämmlein (DSG Seigelstein)
E1 Wild Childs U16: David Salbrechter (-)

E1 Guest: Bernhard Kammel (-)
E1 Beginner: Markus Folz (Your Mom´s Favorite Team)
E1 Junior: Valentin Schleicher (-)
E1 Super Senior: Marcel Weil (Team FujiBike Rockets/ AMC Rodheim Bieber)
E1 Senior: Steven Triesch (Die MANNschaft e.V / Trailhunter)
E1 Pre Senior: Mario Pröll (The Soil Samplers / Herobikes)
E1 Sport: Dominike Euba (-)
E1 E-Bike: Marc Oppermann (Team BULLS)
E1 Woman: Helen Weber (Procraft Racing Team)
E1 Pro: Jasper Jauch (Santa Cruz Bicycles)

KENDA Super Stage ♂: Helen Weber (Procraft Racing Team)
KENDA Super Stage ♀: Jasper Jauch (Santa Cruz Bicycles)

Alle weiteren Ergebnisse gibt es auf: www.enduro-one.com