Frauen können endlich Fahrrad fahren

Text Anki Luh Bild Andreas Meyer
E MTB Meinung

Das Unmögliche wird möglich

Ein italienischer Fahrradhersteller schaffte es Ende letzten Jahres mit der Präsentation seines ersten elektrifizierten Fahrrads die Gemüter zu erregen. Jedoch brachte nicht das E-Bike die Leute in Wallung, sondern dessen Marketing.

Aus der E-MTB Spezial N°2.18

Denn das Unternehmen definierte seine Zielgruppe dabei folgendermaßen: Männer, vor allem im gesetzten Alter, die unter der Woche nicht mehr zum Trainieren kommen und dennoch mit ihren fitten Biker-Freunden mithalten wollen – und Frauen, die nun endlich ihrem Mann hinterher bzw. mit diesem gemeinsam fahren könnten. Das Unmögliche wird möglich!

"Es bedarf keiner komplexen wissenschaftlicher Analyse, um festzustellen, dass solche Vorurteile nicht im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen."

Unterstützt wurde die Werbung für auf den Social-Media Kanälen – mittels Bildern von älteren Radfahrer sowie jungen Radfahrerinnen. So wurde eine Frau im Alter von 24 Jahren präsentiert, die aussagte, beim Biken nun endlich mit ihrem Freund mithalten zu können – o als sei das zuvor ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Außerdem zeigte man einen 55-jährigen Mann, der sich darüber beklagte, während der Woche nicht mehr zum Trainieren zu kommen. Die Bilder und die dazugehörigen Geschichten stießen auf Kritik seitens Frauen und Männern und der Hersteller wurde wegen Sexismus und Altersdiskriminierung angeklagt.

Eigentlich reiht sich die Kampagne ein in eine lange Reihe von sexistischen Fahrradwerbungen, die Frauen entweder als sexy Beiwerk oder als nicht ernstzunehmend Randgruppe darstellen. Dass speziell diese Kampagne so aus dem Ruder lief, ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass die Diskrepanz zwischen den dargestellten sozialen Gruppen darin besonders krass zutage tritt: Junge Männer werden als prinzipiell sportlich dargestellt – im Gegensatz zu offenbar völlig leistungsunfähigen Frauen und älteren Männern.
Zudem präsentiert man Frauen darin besonders klischeehaft und einseitig negativ – anhand vermeintlich typisch weiblicher Schwächen. Frauen sind so und Männer anders.
Es bedarf keiner komplexen wissenschaftlicher Analyse, um festzustellen, dass solche Vorurteile nicht im Entferntesten der Wirklichkeit entsprechen. Du brauchst nur mal einen kurzen Blick in Bikeparks, die Altstadt, das Fitness-Studio, die Uni, den Supermarkt ... zu werfen. Eine gesunde Mischung aus fitten und unfitten Frauen und Männern wird das Ergebnis sein.

"Junge Männer werden als prinzipiell sportlich dargestellt – im Gegensatz zu offenbar völlig leistungsunfähigen Frauen und älteren Männern."

Doch anstatt sich unzählige Male über diese ollen Kamellen aufzuregen; zu diskutieren, was sexistisch ist und was nicht, wäre es eher an der Zeit zu handeln. Zum Beispiel Ideen zur (praktischen) Umsetzung der Gleichberechtigung zu entwickeln und durchzusetzen. Irgendwann wird das Unmögliche möglich sein.