Intense – A Intense Story

Text Michael Klampfl Bild Andres Meyer
Firmenportrait

From South Side California

Eines Morgens wurde ich durch einen seltsamen Traum geweckt. Ich fand mich inmitten einer Bar in Südkalifornien wieder; auf einem hohen Drehstuhl sitzend, vor mir auf dem Tresen Craft Beer und mexikanische Snacks. Alles funkelte durch das tiefstehende Licht  der Sonne und West Coast Funk hallte durch die offenen Räume. Ich fühlte mich umgeben von gut gelaunten Gesichtern und einem unbeschwerten Lebensgefühl. Neben mir saß Intense Cycles-Gründer Jeff Steber, ganz cool und lässig mit Sonnenbrille und einem Bier in der Hand.

Aus der Gravity Spezial 2018

Er erzählte mir vom Surfen am Strand und Skifahren in den Bergen am gleichen Tag. Von 300 Avocado-Bäumen in seinem Garten. Von Shaun Palmers Signature Bike aus alten Zeiten und davon, wie gerne er mit Nachbar und Schauspieler „Agent Shrader“ aus Breaking Bad zum Tontaubenschießen geht. Langsam wurde ich wach und mir bewusst, dass dies gar kein richtiger Traum war; eher ein Tagtraum, ein Schwelgen in Erinnerungen und ich dachte zurück an einen ganz besonderen Tag in Temecula.

My name is Intense

Bevor es dort zu Bier, Burritos und den SoCal Lifestyle-Anekdoten überging, stand das fachbezogene Programm auf dem Plan. Und auf das hatten wir uns vorab schon ganz gewaltig gefreut. Zwischen den Wirtschaftszentren Los Angeles und San Diego liegt die kleinste Großstadt der USA: Temecula, „Platz der Sonne“; Trabantenstadt, Weinbaugebiet und Hauptsitz der Kultmarke Intense Cycles, wo wir zum Hausbesuch geladen waren. Mit großer Euphorie und reichlich Sonne im Gepäck betraten wir das von außen unscheinbar wirkende Headquarter. Es wurde Zeit zu träumen. Der Eingangsbereich hatte sich selbst mit einigen Bike-Modellen ausgeschmückt, der langen Historie der Marke. Das Wasser floss uns im Munde zusammen, während wir die kultigen und brachialen Boliden begutachteten, ehe uns Gründer und Inhaber Jeff Steber empfing. „Hello, nice to meet you“? Nein! „Servus wie geht´s? Ich möchte gerne ein Helles bestellen“, rief Jeff uns in einem mehr als ordentlichen Bayrisch zu. Für den ersten Lacher war gesorgt.

Der gebürtige und charismatische Kalifornier hat selbst Verwandschaft in Deutschland und zeigte sich mit den wichtigsten deutschen Vokabeln vertraut. Jeff Steber ist weit mehr als nur CEO und Geschäftsführer. Er verkörpert die Marke, in der sich seine eigene Kreativität und Zielstrebigkeit wiederspiegelt. Seit weit über zwei Jahrzehnten nimmt Intense Maß an der eigenen „Heritage“, die durch Jeff geschaffen wurde. „Das Beste in all den Jahren ist vermutlich, dass ich die Marke nicht ruiniert habe. Wir verkauften keine Anteile an Investoren. Das macht meinen Tag weniger stressig und ich habe großen Spaß daran zu sehen, wie Intense wächst. Und dazu noch genau so, wie ich es mir immer erträumt habe.“ Authentizität und die Bezüge zum Rennsport formten die Legende, die unter Jeff in Eigenregie weitergestrickt wird.

In der Eingangshalle gibt es neben aktuellen Modellen auch Historisches zu bestaunen - wie das 1996er M1 von Shaun Palmer in der Troy Lee Lackierung. Durch den ehemaligen Snowboardprofi veränderte sich in den 90er-Jahren der Downhillsport grundlegend.

Area 51

Die Führung zu den Montageplätzen und Werkstätten verlief entlang des Warenlagers. Das Banner der Stars and Stripes reckte sich empor und vermittelte etwas Patriotisches. Eine ganze Flotte an High End Carbon Rahmen stand für die Endmontage bereit. „Hier in Temecula montieren und versenden wir alle Räder für den nordamerikanischen Markt. Dies gibt uns die Möglichkeit, beim Zusammenbauen der Bikes eine große Sorgfalt und genaue Kontrolle walten zu lassen“, so Jeff. Rund 25 Mitarbeiter beschäftigt das mittelständische Unternehmen. R&D, Logistik, Marketing und Verwaltung kommen hier unter einem Dach zusammen. Unsere Führung wurde stets von einer lebendigen Geräuschkulisse aus Druckluftschraubern und Gehämmer begleitet. Überall entdeckten wir Kuriositäten wie Schweißschutzhelme im „American Gladiator Style“, den Wegweiser zur Area 51 und Konstruktionen, die nicht von unserem

Heimatplaneten zu stammen schienen. Jeff erzählte uns dabei von seinen Inspirationen, mit einem leichten Hang zum Extravaganten: „Das können verschiedene Dinge sein; visuelle Einflüsse wie durch Motorräder, Autos oder Architektur. Eben Dinge, die einen gewissen Funken entfachen in dem Moment, in dem man sie sieht.“ Jeff weiter: „Unsere Produkte bieten mehr als nur ein simples und modernes Design. Sie sollen ein Lebensgefühl und die Passion dahinter vermitteln.“ Und weiter: „Unser Engineering Team arbeitet eng mit weiteren Designbüros in Barcelona und Freiburg zusammen. Als es 2009 an die Entwicklung von Carbon Rahmen ging, suchten wir nach Kohlefaserexperten, die wir in Person von Thomas Harter und Peter Denk fanden.“ Intense gelang dabei seit jeher der Balanceakt zwischen Innovationen, globaler Standardisierung und den eigenen Wurzeln treu bleiben.

Riders Attitude

Mit einem kurzen Abstecher in das Büro des CEOs wurde auch dem nostalgischen Part genüge getan. Von den ersten Produktkatalogen über Dia-Bildchen zu Team-Präsentationen fanden wir dort ein Sammelsurium aus den ersten Tagen der Markenhistorie. Jeff schwelgte in Erinnerungen, als er uns ein Foto von Shaun Palmer und Randy Lawrence zeigte: „Das muss so 1994 gewesen sein. Shaun war mehr als nur ein Athlet. Er half maßgeblich dabei, die Gene zu kreieren, die Intense heute in sich trägt.“ Damals gab es keinen ausgeklügelten Business-Plan. Es ging ausschließlich darum, coole Bikes zu bauen und die Fahrer damit noch schneller werden zu lassen. Aus Kompromissen erschlossen sich neue Wege. Aus Zweckentfremdungen ergaben sich neue Ideen. Und aus einem Lebensgefühl entwickelte sich eine stets wachsende Anhängerschaft. Neben den legendären Bike-Modellen M1 oder Spider entwarf Steber aber auch andere Dinge, um die „Intense Tribe“ schneller und effizienter zu machen. Wir erblickten ein paar Treter, bei denen es sich um die ersten offiziellen Mountainbike-Schuh handeln könnte. "Chris Kovarik beschwerte sich immer, dass er bei Rennen mit seinen Skateschuhen von den Flat Pedals rutschte.

Also stattete ich ihn für die Rennen mit dem Five Ten Resole Kit aus, das ich eigentlich für meine Kletterschuhe verwendete. Er war begeistert und ich ging damit zu Five Ten, die die ersten gelabelten Serienmodelle für uns produzierten. Somit brachten wir 'Griffigkeit' in den Mountainbike-Sport ein.“ Doch Jeff lässt nicht nur kreative Gedankengänge in die Produkte einfließen. Als weitaus handfesteren Akt hat er sich das Konstruieren und Fertigen der Prototypen zur Aufgabe gemacht. „Ich bin eine Oldschool Newschool-Mischung. Für mich ist es unerlässlich, etwas Greifbares und Fahrfertiges in den Händen halten zu können. Das Schweißen und Fertigen der Prototypen ist meine handwerkliche Leidenschaft. Meist brauche ich für einen Rahmen nur eine Nacht.“ Eindrucksvollerweise gab es zum Abschluss noch eine Kostprobe von Jeffs Schweißkünsten. Gerne hätten wir uns eine kompletten Fertigungsprozess angeschaut, doch wir einigten uns auf ein kühles Bier und das hier so hochgelobte mexikanische Essen. Vielen Dank für die Einladung. 

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