Deutschland / Thüringen
Sonne Mond und Trails!

Text Norman Bielig Bild Andreas Meyer
Reise

Mountainbiken im Grünen Herzen Deutschlands

Das Prozedere beim Packen des Autos für eine Mountainbike-Reise ist diesen Sommer zur absoluten Routine geworden. Ein Großteil der Mountainbike-Ausrüstung verlässt das geräumige Innere meines Busses schon gar nicht mehr, so dass nur noch darum geht, das Volumen der kleinen roten Ortliebtasche optimal auszunutzen und mit Bekleidung zu füllen. Kleine Veränderungen und Details können dabei schon auf das Ziel hinweisen. In diesem Fall packte ich zum ersten Mal diesen Sommer eine Badehose ein, schließlich sollte es ja ans Meer gehen. Meer? Und das in 2 ½ Stunden zu erreichen und dann auch noch Richtung Norden? Ganz genau, denn wir treffen uns mit unseren Mountainbike-Guides am Thüringer Meer.

Kleine Stärkung im Schloss bevor es auf Tour geht. Jens schaut sich währenddessen noch kurz prähistorische Hunde an.

Sonne, Mond & Trails

Wir erreichen das Thüringer Meer auf direktem Weg über die A9, womit es tatsächlich sehr verkehrsgünstig an dieser wichtigen Nord-Süd-Tangente liegt. Der Hauptort Saalburg liegt an der Bleilochtalsperre und bietet mit Campingplatz, Promenade und Badestrand einen hervorragenden Ausgangspunkt zur Erkundung des Thüringer Meers, wie das Gebiet um die fast 80 km lange Saalekaskade genannt wird. Die Saalekaskade besteht aus 5 Talsperren, die in den 40er Jahren errichtet wurden, um die Schifffahrt auf der Elbe auch bei niedrigem Pegelstand zu ermöglichen.

Am Ufer der Bleilochtalsperre

Wir treffen Jens (Worg) und Jens (Kaufmann) vom Cyclecollege direkt am Ufer der Bleilochtalsperre, einer der 5 Talsperren. Sie erzählen uns, dass man hier im Frühsommer ab und an seltsame Gestalten beobachten könne, die abends kleine Behältnisse am Ufer vergrüben. Sehr verwunderlich, doch nach wenigen Minuten wird das Rätsel gelöst: hier am Ufer der Bleilochtalsperre rund um Saalburg findet einmal im Jahr das „Sonne, Mond und Sterne“- Festival statt, eines der größten Techno-Festivals Deutschlands. Somit wird auch klar, was hier schon einmal längere Zeit vor dem Festival auf dem Gelände vergraben wird (ob es allerdings wiedergefunden wird bleibt fraglich). Zeugnis vom Festival legt auch der Strandbereich ab, auf dem sich immer noch liegengebliebenes Konfetti ausbreitet und ein riesiger goldener Buddha sicher verwahrt an einer kleinen Werft lehnt.

Die Fahrt an der Felswand des Stausees entlang ist ein absolutes Highlight.

Wir sind nicht zum Tanzen hier

Doch wir sind hier nicht zum Tanzen (zumindest nicht an diesem Wochenende) sondern der Einladung von Jens gefolgt, der uns die schönsten Trails und die Natur rund um Bleiloch- und Burgkhammertalsperre zeigen will. Ein von Highlights strotzendes Wochenende kann damit beginnen.

Startpunkt ist der Strand Saalburgs, der schon zahlreiche Badegäste beherbergt. Einige 100 m von uns entfernt schippert die MS Bad Lobenstein über die Talsperre, ein Personenfahrgastschiff mit dem wir im Verlauf des Wochenendes noch nähere Bekanntschaft machen werden. Wir setzen uns in Bewegung, rollen gemütlich ein, die Talsperre dabei immer in Wurfweite. Unweit der Staustufe verschwinden wir im Wald und können die Höhenmeter hinab zur Burkhammertalsperre trailig überwinden und entfernen uns erst einmal etwas vom Wasser. Die Auswahl lautet: kurz und knackig oder lang und gemütlich - zur Freude unseres Fotografen Andi entscheidet sich die Mehrheit für die entspanntere Variante. Schließlich wollen auch Neuigkeiten ausgetauscht werden.

Cyclecollege

Jens, den Gründer des Cyclecollege lernte ich im Januar 2013 in der Fränkischen Schweiz kennen, als er während des Enduro.Pro Camps des IBC den Trainerpart übernahm. Er gefiel damals schon mit seiner Unaufgeregtheit und Souveränität und konnte selbst gestandenen Mountainbike-Profis wie Joost Wichmann sinnvolle Tipps geben. Vor allen Dingen aber ist er mit einem überaus sympathischen Humor gesegnet. Mit einigen Kollegen des Bundeslehrteams der DIMB entwickelte er 2013 die Ausbildungsinhalte zum Fahrtechniktrainer, die Kurse begleitet er seither aktiv. Durch Zufall lernte er vor einigen Jahren Jens (K.) kennen, der ihm damals, so wie uns heute, die Trails um das Thüringer Meer zeigte. Jens (W.) nahm das Gebiet ins Cyclecollege-Programm auf. Ein wirklich hervorragender Entschluss, wie wir wenige Stunden später euphorisch sagen würden, während wir uns im Wasser der Bleilochtalsperre abkühlten. Bis dahin sind allerdings noch eine Kilometer Trails zurückzulegen.

Ein letzter Trail, ein Sprung in den See und ab geht es in unsere Unterkunft, ein kleines, aber feines Fährschiff.

Garantierter Trailgenuss

Wir biegen vom Hauptweg in einen alten Jägersteig ab. Schmal windet er sich am Hang entlang und bestärkt mich in dem Glauben, dass Wege mit diesem Namen wohl immer ein Garant für Trailgenuss sind. Zumindest legen das die Jägersteige der Fränkischen Schweiz und des Vinschgaus nahe. Nach einigen Minuten Hangquerung zeigt uns Jens unseren Abzweig an, wir nähern uns wieder dem Wasser, sprichwörtlich. Vor einigen Jahren wütete hier ein starker Sturm, der den Weg kurzum zum Flussbett umfunktionierte und damit weder eine Befahrung noch Begehung möglich machte. Im letzten Jahr hat sich Jens diesem Abschnitt angenommen, die Bachüberreste umgeleitet, umgestürzte Bäume herausgeschnitten und auch gröbere Steine aus dem Weg geräumt. So haben wir das Glück, diesen Pfad in seiner Wildheit heute wieder fahren zu können, dabei geduckt unter umgestürzten Bäumen und an wilden Felsformationen vorbei hinab zum Wasser rollend.

Schloß? Burg? Schloß Burgk!

Wir sind nun direkt an einem kleinen Ufer der Burgkhammertalsperre. In der Ferne sehen wir den Grund für den Namen, hoch oben über dem Wasser thront Schloss Burgk, unser nächstes Ziel. Doch erst einmal bahnen wir uns erlebnisreich den Weg dorthin. Nach wenigen 100 m am Ufer entlang steigt der Weg kurz sanft an und verwandelt sich plötzlich in einen schmalen Holzsteg, der sich 5 m über dem Wasser an der Felswand entlangschlängelt. Auf der einen Seite senkrechter Fels, auf der anderen ein schützendes Gelände, doch dürfte bei 800 mm Lenkerbreite Schluss sein mit der Fahrbarkeit. Wir hingegen sind schmal genug ausgestattet und rollen langsam dahin über diesen Weg, den man wohl eher in einer alpinen Klamm erwarten würde.

"Die deutschen Bikegebiete nördlich der Alpen wissen immer wieder zu überraschen und zu begeistern."

Schmalen Pfade hoch über der Talsperre

Der Weg bis zum Schloß verläuft weiterhin auf schmalen Pfaden hoch über der Talsperre, an einer exponierten Stelle entschließt sich unser Fotograf Andi das Geschehen von oben zu fotografieren. Noch nicht ausgelastet vom Biken besteigt er kurzerhand die neben uns senkrecht aufsteigende Felswand bis zu ihrem Ende 3 m über uns. Erst nach der Vorbeifahrt und der Umrundung des Felsen offenbart sich uns der sanfte Anstieg von der Rückseite, problemlos gehbar, doch weit weniger aufregend. Wir legen noch eine kurze Ortsumrundung ein, da Jens (K.) uns einen weiteren hervorragenden Trailabschnitt nicht vorenthalten möchte. Danach wird es Zeit für eine Pause.

Das sanfte Dahinschaukeln wiegt uns in den Schlaf... und die Biere mit der Feiergesellschaft.

Thüringer Bratwürste und Kartoffelbrei

Regional passend lassen wir uns Thüringer Bratwürste und Kartoffelbrei schmecken. Wie wir damit im Magen den Rest der Tour verbringen sollen, weiß keiner so Recht, aber wird schon gehen. Die Terrasse des Schloßrestaurants bietet einen beeindruckenden Blick über die Talsperre und unseren bisherigen Weg. Jens zeigt uns den weiteren Wegverlauf von oben, bevor wir uns in einer Schleife wieder an den Rückweg zur höher liegenden Bleilochtalsperre machen. Nach dem Essen gönnen wir uns noch einen kurzen Rundgang durch Schloß Burgk (wir müssen es ziemlich oft sagen, bis diese Kombination in unseren Köpfen ist). In einem Zwischengang finden wir hinter Glas ein altes Hundeskelett, das bei Renovierungsarbeiten im Mauerwerk gefunden wurde. Der Hund verlor sein Leben wohl beim Bau des Schloßes durch unachtsame Arbeiter... oder mutwillige.

Trails wie in der Wildnis Kanadas

Wir verlassen das Schloß und folgen ein wenig dem Kammweg durch die weiteren Anlagen. Hier erreichen wir nach einigen Minuten einen kleinen Pavillon, in dem zahlreiche Hochzeiten stattfinden, auch unser Guide Jens vermählte sich hier. Ein idealer Ort für einen Bikeguide-Bräutigam, denn direkt neben dem Pavillon zweigt ein hervorragender Spitzkehrensingletrail in den Wald ab und lässt selbst Brautleuteherzen höher schlagen. Nach zahlreichen Kehren erreichen wir wieder den Talboden und einen Seitenarm des Saalestroms, der sich in einem weiten Kiesbett ausbreitet. Auf der anderen Uferseite wuchert wilder Wald und eine halb zusammengefallene Holzbrücke fault vor sich hin.

Der Vergleich zur Wildnis Kanadas zwingt sich bei diesem Bild schon auf, und ohne vorherige Absprache bekunden alle Anwesenden genau dieses Bild. Wir halten uns noch eine Weile damit auf, die besten Steine zum übers-Wasser-werfen zu suchen, bevor wir uns an den Rückweg machen. Immer in Sichtweite des Wassers führt uns der Weg hinauf zur Bleilochtalsperre, leider können wir nicht auf die Staumauer da diese saniert wird, doch so nehmen wir den direkten Weg zurück. Die Sonne neigt sich langsam gen Horizont, Zeit für ein erfrischendes Bad bevor wir unsere Nachtstatt beziehen – die MS Bad Lobenstein.

Die MS Bad Lobenstein

Dieses Personenfahrtschiff ankert direkt am Strand und erscheint bei einem Tag mit so viel Wasser schon ideal als Unterkunft.
Der Kapitän erzählt über seine große Leidenschaft - wie nicht anders zu erwarten die Schifffahrt -, der sich auch seine Kinder verschrieben haben. Er berichtet von der abenteuerlichen Überführung seines zweiten Schiffes von Osteuropa nach Thüringen und von den kleinen Zwistigkeiten in der Region. Währenddessen verspeisen wir die frisch zubereiteten Rouladen, das Gespräch dreht sich mittlerweile um das Sonne-Mond und Sterne Festival, dem die Bad Lobenstein als Presseschiff dient. Wir steigen noch einmal an Deck und blicken über den sternenklaren Himmel, der sich im ruhigen Wasser der Bleilochtalsperre spiegelt. Es ist schön hier und ruhig, und morgen werden wir wieder fahren gehen, tolle Trails rund um die Saalekaskade mitten in Deutschland. Ein guter Gedanke auf dem Weg in die Kojen.

Informationen

Lage

Als Thüringer Meer werden der Bleilochstausee und auch der Hohenwartestausee als Teil der 5 Saalekaskaden im Thüringer Schiefergebirge bezeichnet. Der Bleilochstausee ist mit 215 Mio m³ Wasservolumen und einer Fläche von 9,2 km² der volumengrößte Stausee Deutschlands. Er liegt zentral in Deutschland im Südosten von Thüringen auf dem Gebiet des Saale- Orla- Kreises nahe der bayrischen und sächsischen Landesgrenze. Größere Städte in näherer Umgebung sind nördlich Jena (80 km), östlich Plauen (40 km) und südlich Hof (45 km).

Nachfragen

Touristinformation Saalburg-Ebersdorf
Markt 1, 07929 Saalburg-Ebersdorf
Tel: +49 (0) 36647 29080 oder 29060
Fax: +49 (0) 36647 29088
bb@saalburg-ebersdorf.de
Saalburg-Ebersdorf>>

Tourismusverbund Rennsteig~Saaleland e.V.
c/o Landratsamt Saale-Orla-Kreis
Oschitzer Str. 4, 07907 Schleiz
Telefon: +49 (0) 3663 421466
Telefax: +49 (0) 3663 421642
info@rennsteigsaaleland.de
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Guiding

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professionell ausgebildete Guides sowie Fahrtechniktrainer u.a. Jens Worg Ausbilder im Bundeslehrteam der DIMB e.V.
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