Ein Kommentar zum Thema E Bike

Text Anki Luh Bild Stefan Schopf
E MTB

Ist einfacher gleich einfach?

Vielleicht hast du meinen Artikel in der E-Bike Spezialausgabe gelesen – zusammen mit einer Freundin habe ich den Selbstversuch gewagt: Ein Alpencross mit dem E-Bike. Ziel: Von Hinterriss nach Latsch. Drei Tage, 270 Kilometer, mehr als 5.000 Höhenmeter. Als miserable Bergauf-Fahrerin und ohne große Vorbereitungen ist das nur mit einem E-Bike zu schaffen. Auch auf MTB News wurde der Artikel veröffentlicht und sorgte für massig Diskussionsstoff. Kommentare (insgesamt 380, Stand: 22.05.2017) wie diese sind noch heute online zu lesen: „Warum ned gleich n Moped nehmen? KTM hat da schöne Sachen…“, „Grenzerfahrungen: Lerne die Grenzen deines Akkus kennen!“, „Einfach lächerlich hier eine Alpen X mit ELEKTROantrieb als großes Abenteuer darzustellen. Sowas ist einfach nur peinlich.“, „Ich muss mich dem Hype „E-Bike“ ja nicht anschließen, (…) aber ich kann ihn zumindest tolerieren und verstehen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir MTB-ler hier so reagieren und agieren, wie die Wanderer und Förster gegen uns. Denkt mal drüber nach.“

Aus der Ausgabe 07.17

Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon, als ich beim Anstieg zum Weidener Haus an einigen Fahrradfahrern vorbeigefahren bin. Zunächst kam meist ein irritierter Blick zur Seite und auf meine Person, kurz darauf rutschten die Augen nach unten auf mein Fahrrad und dann die Erkenntnis meines Gegenübers: „Ach, die fährt mit einem E-Bike.“ Sicherlich hätten mich einige gerne zum Teufel gejagt, aber ein Blick in mein Gesicht zeigte ihnen deutlich, dass auch für mich der Anstieg kein Zuckerschlecken war. Denn bei einem Alpencross mit E-Bike heißt es: Akku sparen und sich so mit möglichst eigener Kraft den Berg hochkämpfen. Aber natürlich hatte ich auch mit niedrigster Unterstützungsstufe im Vergleich zu den anderen Fahrern ein flotteres Tempo drauf. An der Hütte angekommen war in keinster Weise eine negative Stimmung in Bezug auf uns E-Bikerinnen zu spüren, wie vielleicht der ein oder andere erwartet hätte. Anfängliche Skeptiker stellten Fragen und interessierten sich immer mehr für unser Vorhaben. Klar wurden auch hier unterschiedliche Meinungen laut, aber jeder hatte doch Verständnis und vor allem Akzeptanz für den anderen. Wäre das nicht auch eine gute Alternative für die Kommentatoren des MTB News-Portals gewesen? Statt wie wild seine Meinung zu äußern erstmal nachzufragen und ein Thema mal von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten? Aber klar, anonym lästert es sich leicht.

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Sport war schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Schon früher musste mir dieser hauptsächlich Spaß machen, erst dann konnte ich mich zu mehr bewegen. Genauso ist es bei mir nun mit dem Bergauffahren. Spaß – bis dato Fehlanzeige. Das Radfahren an sich zaubert mir jedoch ein Grinsen ins Gesicht. Sollte ich nun auf ein Tour-Erlebnis vollkommen verzichten, weil ich nie den Biss dafür hatte, mir die Kondition aus 100% eigener Kraft aufzubauen? Ist es mir somit nicht vergönnt? Oder ist es verwerflich, eine Schwäche zu haben; einen einfacheren Weg zu wählen und sich Unterstützung zu holen?
Ich sage ganz klar: nein. Sich auf ein E-Bike zu setzten kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Die einen sind nur im Turbo-Modus unterwegs, weil sie ihren Arbeitsweg möglichst schnell hinter sich bringen wollen, ein anderer fährt einfach nur aus Spaß mit vollster Unterstützung durch die Welt, wieder andere brauchen das E-Bike, da sie ohne elektrische Unterstützung aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen komplett auf das Fahrradfahren verzichten müssten.

" Ich schätze das E-Bike, um meine Bergauf-Qualitäten auf einem leichteren Weg aufzubauen. Einen Grund zur Diskussion gibt es hier meiner Meinung nach kaum. "

Natürlich ist das Thema E-Bike mit Vorsicht zu genießen: Nehme ich auch hier wieder meinen Alpencross als Beispiel, so war das meine erste mehrtägige Tour mit dem Fahrrad und das auch noch im Hochgebirge. Die Strecken sehen hier schon anders aus als im heimischen Nachbarwäldchen. So war es ein Muss, dass ich, neben vielen anderen ersten Malen, zumindest nicht zum ersten Mal auf dem Bike gesessen bin und mir auch auf anspruchsvolleren Terrain gut zu helfen wusste. Ungeübte sollten solch eine Tour nicht wagen. Und doch ist so ein E-Bike schon verlockend. Auf einmal geht alles leichter; ein Berg kann auf einmal nur noch ein Hügel sein und schon steht man irgendwo am Gipfel und stellt sich die Frage: Und nun?
Abschließend lässt sich sagen: Alles ist Ansichtssache. Und sicherlich macht einem der elektrische Antrieb am Fahrrad das Leben leichter, doch ich stelle es in Frage, ob sich generell die Aussage treffen lässt: „Ein E-Biker macht sich das Leben einfach.“ Wenn du einer der Kritiker bist, dann versuche doch, bevor du deine Meinung kundtust, in die Rolle deines Gegenübers zu schlüpfen, auch wenn es schwer ist. Vieles kann so auf einmal ganz anders aussehen.

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