Fahrtechnik Training für Frauen

Text Kerstin Kögler Bild Michael Vorbrüggen Illustration Eileen Holler
Know-How

Ein Erfahrungsbericht von Kerstin Kögler

Braucht es das überhaupt? Meine Antwort heißt: ja – aber, und ich sehe das Thema differenziert. Ich möchte hier einen Erfahrungsbericht aus meiner Praxis liefern.

Kerstin Kögler: Das Biken ist Kerstins Beruf und Fahrtechnik Kurse gibt sie sowohl für Frauen, Männer und gemischte Gruppen. Sie ist zertifizierte Fahrtechniktrainer/in (DIMB), Sport Mental Coach Basic und Mitglied im Bundeslehrteam der DIMB. Für BMC startet die gebürtige Fränkin international bei Endurorennen.

Aus der Ausgabe 05.17

Vorab: Was motiviert mich eigentlich zu Fahrtechnikkursen für Frauen? Es ist dabei nicht nur die reine Fahrtechnik. Ich möchte Spaß an Bewegung und Sport vermitteln, einladen, Natur zu erleben, soziale Kontakte zu knüpfen. Und sich selbst etwas zuzutrauen, die eigene Power zu spüren. Kraftvoll und weiblich, das passt für mich gut zusammen.

Physiologie und Biomechanik

Grundsätzlich ist die Fahrtechnik bei allen Menschen gleich. Die Basis ist ein korrekt eingestelltes Bike und die richtige Ausrüstung, zum Beispiel ein Bremshebelsetup bei kleineren Fingern.
Frauen haben jedoch weniger Kraft, vor allem im Oberkörper. Im Schnitt liegen Frauen auch bei der Ausdauer ca. 8 bis 14 Prozent unter den Männern. Daraus resultieren Unterschiede in puncto Belastbarkeit und Ermüdung. Pausen sind wichtig und auch die Steuerung der Intensität. Mein Wunsch: Ihr seid müde und braucht eine Pause? Sprecht es aktiv an. Wenn ihr viel bergab fahren wollt, zum Beispiel beim Enduro, empfehle ich Athletiktraining.

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Atmosphäre und Beziehung bei Frauen

Bei Frauen geht es in meinen Kursen häufig über das rein Fachliche, etwa Technik, hinaus. Beispiel: Männer fragen nach der Einstellung meiner 36er FOX Gabel, Frauen danach, wie es für mich als Frau in der Männerbranche ist oder wie ich Familie und Beziehung mit meinem Job vereinbare. Ich erlebe, dass Teilnehmerinnen neugierig aufeinander sind, Gemeinsamkeiten suchen und zusätzliche Zeitpuffer für Gespräche sinnvoll sind. Eine positive Atmosphäre ist wichtig.

Motivation und Angst bei Frauen

Männer und Frauen wollen Leistung, auch Frauen wollen eine bestimmte Stelle flüssig fahren können, Stufen oder enge Kehren meistern. Frauen, besonders Mütter, erlebe ich als sicherheitsorientierter. Die Motivation bei Frauen liegt häufig nicht nur in der Leistung. Es geht auch um Kontakt mit anderen und um Ästhetik, also sich an etwas Schönem, zum Beispiel der Landschaft, zu erfreuen.

"Wichtig sind Erfolgserlebnisse! "
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Es ist wichtig, das Sicherheitsbedürfnis im Fokus zu behalten. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel die passende Geländeauswahl oder ein ruhiges Umfeld. Auch Technik kann das Sicherheitsempfinden unterstützen, zum Beispiel Schoner oder Flat Pedals.
Wichtig sind Erfolgserlebnisse! Druck entsteht, wenn ich eine Aufgabe stelle und die Teilnehmerin kriegt es nicht hin. Daher sollte man gegebenenfalls Zwischenschritte einbauen, sich Zeit lassen, Mut machen und motivieren. Männer in der Gruppe können motivieren, aber auch demotivieren, zum Beispiel trauen sich Teilnehmerinnen in gemischten Kursen eine Passage eher zu oder aber Frauen fühlen sich durch Männer unter Druck gesetzt. Welcher Typ bist du?

Angst wegmachen ist falsch

Im Angstbereich möchte ich nicht mit meinen Teilnehmerinnen arbeiten. Aber ein paar Sätze dazu: Angst ist eine Emotion, sie ist wichtig im Leben und hat auch immer etwas zu sagen. Was genau macht mir Angst? Kann ich es überhaupt benennen? Ist es Angst, weil ich etwas Neues ausprobiere? Etwas Unbekanntes? Oder gibt es schlechte Erfahrungen, zum Beispiel durch einen Sturz? Ist die wahrgenommene Emotion vielleicht nicht Angst, sondern Scham, zum Beispiel, die Scham, etwas falsch zu machen? Vielleicht auch noch vor den Augen anderer? Ist die Bewegung nicht hundertprozentig klar? Sind die Lernschritte zu schnell, braucht es Zwischenschritte und ist dies eher Stress statt Angst? Oder, oder, oder? Wenn sehr viel Angst im Spiel ist und starke negative Auswirkungen hat, etwa Blockaden, kann ein Mentaltrainer daran arbeiten. Die Aussage, die „Angst wegmachen“ ist jedoch falsch. Angst hat auch wichtige Funktionen und positive Seiten.

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Mich interessiert auch: Wie geht es meinen Teilnehmerinnen? Wie sieht es mit dem „inneren Kritiker“ und den Gedanken aus? Dies ist ebenfalls eine Stellschraube, an denen ein Mentaltrainer ansetzen kann. Zum Beispiel an der Sichtweise auf die eigenen Stärken, wenn der Fokus auf Schwächen und Fehler rutscht und negative Gedankenspiralen entstehen.

Und über allem steht für mich:
Mountainbiken bringt tolle Chancen, sich selbst, Gemeinschaft und Natur zu erleben.