Trans Bayerwald – MTB Abenteuer Bayerischer Wald

Text Holger Schaarschmidt Bild Andreas Meyer
Reise

700 Kilometer – 16.650 Höhenmeter - 2 Routen - 14 Etappen

Da Woid – der Bayerische Wald im Osten Bayerns an der Grenze zum Böhmerwald, eine der vielfältigsten Mountainbikeregionen Deutschlands und Heimat des world of mtb Magazins, lockt seit diesem Jahr Biker zu einem einmaligen Erlebnis.

Aus der First Ride 2018

Noch befindet sich die Trans Bayerwald-Route in der Pionierphase; ohne Beschilderung und nur für Wagemutige, die sich mit Kartenmaterial und GPS-Tracks auf das Erlebnis einlassen wollen.
Gespannt halten wir das Starterpaket in den Händen: Ein kreativ gestaltetes und informatives Heft mit allen wichtigen Informationen zur Strecke, Kartenausschnitten und Höhenprofilen lenkt sofort das Interesse der ganzen Redaktion auf sich. Einige Kollegen sind Ureinwohner, waschechte Waidler, und doch kennt keiner den Bayerischen Wald so umfassend, wie er von der Trans Bayerwald abgedeckt wird. Ganz klar, dass alle heiß auf die Tour sind und schon Pläne zum Abradeln machen. Dem Paket liegen weiter Listen mit den Streckendaten sowie Informationen zu Anreise, Unterkünften, Bike-Shops und Einkehrmöglichkeiten bei; außerdem ein Reisetagebuch, in dem man die großartigen Erlebnisse eines jeden Etappentages eintragen kann. Das begeistert vor allem die Mädels. Die gestalterische Umsetzung ist sehr gelungen. Auf der Homepage des Tourismusverbandes Ostbayern e. V. finden wir umfassende Informationen und vor allem die GPS-Tracks zum Herunterladen. Anki als Einheimische und ich als Zuageroaster haben die wunderbare Gelegenheit, die Tour zu testen. Unserem Fotografen Andi, immerhin Rand-Waidler, mit der schweren Kameraausrüstung auf seinen hageren Schultern, gönnen wir das E-Bike.

Furth im Wald im Oberpfälzer Landkreis Cham, östlich von Regensburg an der Tschechischen Grenze. Die "Drachenstadt ist Start der Südroute und zugleich Endstation der Nordroute.

In Furth im Wald sind Drachendarstellungen allgegenwärtig. Die Locals erzählen euch gern warum. Wahrscheinlich kennen sie auch den besten Einkehrtipp.

Von der Oberpfalz nach Niederbayern

Abwechslungsreich – eine Mischung aus moderaten und sportlichen Anstiegen, grandiosen Panoramablicken und anspruchsvollen Singletrails sollen die Südroute charakterisieren. Im Zentrum der Drachenstadt Furth im Wald starten wir zur ersten Etappe. Nach einer kurzen Einrollphase erwartet uns der erste lange Anstieg, der zeigt, dass sich eine gute sportliche Vorbereitung bei der Trans Bayerwald auszahlt. Am Tannenriegel auf 910 Meter Höhe angekommen, überblicken wir am Aussichtspunkt Reiseck die Talsenke mit Furth im Wald, dem Drachensee und dem Grenzkamm zu Tschechien, mit Čerchov und dem Osser bei Lam im Hintergrund. Der Hohen Bogen im Süden sticht markant heraus und auch der Große Arber, das Dach der Tour, ist in der Ferne zu erkennen. Nur wenige Minuten entfernt staunen wir über den Beitrag des Glas-Künstlers und Wirtes des nahen Berghof Gibacht zur Versöhnung der Menschheit; zur Völker- und Religionsverständigung: Im Turm der Menschlichkeit, der aus Steinen aus der ganzen Welt errichtet wurde, sind gläserne Symbole der drei großen Weltreligionen sowie eine stilisierte Weltkugel verewigt. Bei einer deftigen bayerischen Brotzeit – wie es sich gehört mit Brezn und Obazda – genießen wir den Ausblick ins westlich gelegene Oberpfälzer Hügelland.
Ein stetiges Auf und Ab prägt die kommenden beiden Tage.

"Waldpfade, die weitläufige, sanfte Hügellandschaft, Aussichtspunkte und historische Weiler sorgen für einen spannenden, jedoch nicht zu sportlichen Einstieg in die Nordroute. "

Der Wechsel von Trails, Schotterwegen und interessanten Ortsdurchfahrten sorgt für Spannung und Abwechslung. Die ersten Tage sind noch recht locker; das Verhältnis von Aktivität, Abenteuer, Kultur und Erholung ist ausgeglichen. Burgruinen, Klöster, historische Dörfer und Städtchen säumen den Weg. Badeseen laden zum beherzten Sprung ins kühle Nass ein und wenn man ein gutes Timing hat, erlebt man im Etappenzielort Falkenstein die Burghofspiele. Wir haben leider nur noch die leere Bühne sehen dürfen. Der tolle Ausblick vom Turm in die harmonisch-wellige Hügellandschaft war den steilen Anstieg zur faszinierenden Burganlage aber trotzdem wert.

Am Gipfel des Gibacht findet man ein perfektes Plätzchen zur zünftigen Brotzeit und genießt einen tollen Blick über das Oberpfälzer Hügelland.

Original Bayerisch vegetarische Brotzeit. Obazda und Brezen sollten dabei nicht fehlen.

Die Burg Falkenstein befindet sich am Ende der 4. Etappe der Südroute. Der steile aber kurze Schlussanstieg lohnt sich vor allem wegen der Aussicht vom Turm und ganz nebenbei wegen des urigen Wirtshauses.

Die Heimat des worldofmtb Magazins

Bei Sankt Englmar kommen wir in heimatliche Gefilde. Die Uphills werden länger und Fernsichten bis in die Alpen klarer. Vom über vier Kilometer langen Singletrail-Parcours am Predigtstuhl über die Hirschenstein-Trails nach Bernried, die steilen Flanken des Graflinger Tals hinauf ins Ruselgebiet zwischen Deggendorf und Bischofsmais bis zum Geißkopf befinden sich unsere Hometrails.
Den krönenden Abschluss der fünften und konditionell fordernden Königsetappe der Südroute bildet die berauschende Abfahrt am Geißkopf. Am Teufelstisch vorbei rollen wir schließlich ins beschauliche Bischofsmais ein.
Das Highlight des kommenden Tages ist für Anki und mich der phantastische Ausblick vom Büchlstein mit seiner respekteinflößenden Abflugrampe für Drachenflieger. Im Moment unserer Ankunft herrscht ein beeindruckender Wechsel von sich anstauenden Regenwolken, klarstem Sonnenschein und erneuten, heftigen Regenschauern. Eine Stimmung, die man nur als magisch bezeichnen kann. Für solch besondere Momente steht das Naturerlebnis Bayerischer Wald. Kurz darauf erreichen wir den Brotjacklriegel mit seinem markanten Aussichtsturm, der komplett mit hölzernen Schindeln verkleidetet ist. Von hier eröffnet sich einmal mehr ein unvergleichlicher Ausblick ins Donautal. Der Anstieg ist schwer erkämpft und eine entspannte Pause am Gipfel mit Blick auf den gemächlich dahinfließenden Strom und die dahintreibenden Flussschiffe der verdiente Lohn.
Über Eging am See gelangen wir schließlich zum Finale der Südroute in die Drei Flüsse-Stadt Passau. Von der Veste Oberhaus bietet sich ein genialer Blick über die Altstadt und das nahe Österreich. Perfekt, um mit einem Bierchen auf die erfolgreiche Tour anzustoßen. Durch die Gassen des „Bayerischen Venedigs“ rollend, sind wir schon in gespannter Erwartung dessen, was uns auf der Nordroute erwarten wird.

Auch actionreiche Singletrails, wie am Predigtstuhl bei Sankt Englmar, gehören zur Route.

Singletrails am Hirschenstein zwischen Sankt Englmar und Bernried.

Von Passau zum Nationalpark Bayerischer Wald

Der Grenzkamm von Bayerischem Wald und Böhmerwald, dem ältesten Nationalpark Deutschlands, Gipfelerlebnisse, kulinarische Höhepunkte und Hüttenkultur, faszinierende Natureindrücke, der Einfluss der Glasindustrie und die Bedeutung der Forstwirtschaft für die Region prägen die Nordroute. Ursprünglichkeit, Wildnis und Ruhe erwartet Trans Bayerwald-Pioniere auf dem zweiten Teil der Tour. In den Nationalparkzentren erfährt man viel Wissenswertes und Erstaunliches.
Passau verlassen wir zunächst entspannt der Donau folgend, nach 20 Kilometern jedoch bereits langsam, aber stetig ansteigend nach Osten, in Richtung Wegscheid an der Grenze zu Österreich. Hier haben wir uns bereits wieder auf das typische, wellige Bayerwald-Höhenprofil eingestellt. Waldpfade, die weitläufige, sanfte Hügellandschaft, Aussichtspunkte und historische Weiler sorgen für einen spannenden, jedoch nicht zu sportlichen Einstieg in die Nordroute.

"Die Trans Bayerwald ist eine gänzlich eigene Tour mit individuellem Charakter und wilden Zügen. Es ist der Woid, der die Route prägt."

Am dritten Tag ändern sich die Anforderungen schlagartig. Unsere Entdeckungsreise wartet mit einem neuen Höhepunkt auf. Am 1.333 Meter hohen Dreisessel bietet sich eine granitene, geheimnisvoll-mystische Felskulisse. Naturgewalten haben die Landschaft ringsum gegerbt; umgestürzte Bäume und bleiche Baumskelette sorgen für eine geheimnisvolle Atmosphäre. Einst haben, so verkündet eine Sage, drei Prinzen zum Dreisessel gefunden, Platz genommen und das umliegende Land kurzerhand unter sich aufgeteilt; in Österreich, Böhmen und Bayern. Leider war der Weg zum königlichen Glück mit einem Haken in Form von drei hässlichen Prinzessinnen versehen gewesen, die die dreisten frischgebackenen Könige daher kurzerhand in den unterhalb des Gipfels gelegenen Plöckensteinsee verwünschten. Wir sind fassungslos – fassungslos vor Begeisterung für die königlichen Trails nach Frauenberg, die wir vom Aussichtspunkt am Hochstein ausmachen können. Abwechslungsreich führt die Route weiter Richtung Nationalpark Bayerischer Wald.
Mit Blick auf den markanten Gipfel des sagenumwobenen Lusen erreichen wir Finsterau und sind fasziniert vom dortigen Freilichtmuseum, das aus der ganzen Region alte Bauernhäuser zurückgebaut hat, um sie hier in ihrem Originalzustand zu bewahren. Der alte Gasthof im Herzen des Museumsdorfes mit seinem besonderen Flair lädt am wieder entspannteren vierten Etappentag zu einer gemütlichen Pause ein. Nur wenige Kilometer weiter gibt es ein weiteres Highlight: den spektakulären 1,3 Kilometer langen und bis zu 44 Meter hohen Baumwipfelpfad. Das weitläufige, artenreiche Tierfreigelände im Nationalparkzentrum Lusen bei Neuschönau offenbart dagegen einzigartige Einblicke in die Waldlandschaft und deren Bewohnerschaft.

Der Bayerische Wald ist seit jeher Ort von Mythen und Sagen. Bei solch einer Szenerie glauben wir das sofort.

Auch ein Ort für interessante Sagen - der Dreisessel. Erleben können Biker hier in erster Linie sagenhafte Trails!

Im Freilichtmuseum von Finsterau gibt es einiges zu entdecken.

Das Dach der Tour

Die Strecke von Spiegelau zum Zwieslerwaldhaus ist überschaubar, was uns, durch zahlreiche Tipps angeregt, dazu verleitet, auf die Mountainbike-Route im Nationalpark, zum magisch-idyllischen Ruckowitzschachten, einzuschwenken und den Gipfel des Großen Falkensteins mit dem Bike zu erklimmen. Schachten, so bekommen wir erklärt, sind von Vieh offen gehaltene Hochweiden. An diesem besonderen hat man einen überwältigenden Blick zum Arber. Vom Gipfel des Falkensteins – scheinbar der Sonnenuntergangstreff zahlreicher Bergradler, Trail-Runner und Ausblick-Genießer, die sich zum Stammtisch in der Hütte treffen – öffnet sich ein tolles Panorama nach Zwiesel.
Abseits von Alltag und Stress versteckt sich hier sympathisch und urig das Zwieslerwaldhaus, unser heutiges Etappenziel am Fuße der finalen Abfahrt.

Auf dem Weg zum Gipfel des Falkensteins über den Ruckowitzschachten. Im Hintergrund das nächste Tagesziel: der Große Arber.

Abendstimmung am Falkenstein mit Blick nach Zwiesel.

Die letzten Kilometer zum Ziel

Am vorletzten Tag unserer Entdeckungstour erwartet uns mit dem Großen Arber der höchste Gipfel des Bayerischen Waldes. Wir verlassen den Nationalpark und mit Blick auf den Kurort und Besuchermagnet Bodenmais geht es hinauf zum Gipfel auf 1.456 Meter.
Heftig weht uns der frische Wind am Gipfel entgegen, als wir zum Sonnenaufgang den König des Bayerischen Waldes erklimmen. Vom Gipfelkreuz bietet sich ein herrliches 360°-Panorama. Die Stimmung ist besonders. Wolkenfelder treiben über den Gipfel und werden von diesem in Fetzen gerissen. In den Talauen liegen vereinzelte Nebelbänke und das morgendliche Vogelzwitschern empfängt die aufsteigende, wärmende Sonne.
Bis in den Lamer Winkel geht es tendenziell bergab. Die Route verläuft über den Reischflecksattel am Berghaus Schareben vorbei ins Tal des Weißen Regens, der unweit von hier seinen Ursprung hat, wieder hinauf zum markanten Hausberg von Lam, dem Osser. Mit Vorfreude auf die Ankunft im Ziel genießen wir den letzten Etappentag nochmal so richtig. Vorbei an Klöstern, durch idyllische Dörfer, gelangen wir zurück in das Oberpfälzer Hügelland mit seinen sanften Kuppen und breiten Tälern. Naturbäder laden zum Schwimmen ein und auch wenn der Hohenbogen als Bergankunft nochmal ein tolles Ziel wäre, belassen wir es beim lockeren Ausrollen über Neukirchen und Eschlkam nach Furth im Wald.

"Eine Stimmung, die man nur als magisch bezeichnen kann. Für solch besondere Momente steht das Naturerlebnis Bayerischer Wald."

Unser Fazit

Die Trans Bayerwald ist kein bayerisches Pendant zur Transalp. Sie ist eine gänzlich eigene Tour mit individuellem Charakter und wilden Zügen. Es ist der Woid, der die Route prägt. Es sind die besonderen Menschen, die man trifft, urbayerische Eigenheiten und viele spannende Facetten, die Entdecker, aktive Biker und Ruhesuchende anspricht – aber auch Mountainbiker mit dem Drang, Action zu erleben. Die Trans Bayerwald ist vielseitig und anspruchsvoll, aber nie überfordernd. Selbst hartgesottenen Bikern mit Packtasche und Zelt traue ich diese Tour zu. Anki, Andi und ich sind begeistert und fühlen uns bestätigt. Nicht von ungefähr entstehen in dieser Region Woche für Woche, Monat für Monat unzählige Seiten gefüllt mit spannenden Mountainbike-Themen. Die Quelle der Inspiration liegt vor unserer Haustür.

Pfiadeichmitanand im Woid!
(Auf Wiedersehen im Bayerischen Wald!)

Magische Momente am Großen Arber.

Es sind auch die kleinen Details am Wegesrand die eine Trans Bayerwald zu einem spannenden Erlebnis machen.

Habt ihr schon einmal einen Moosteppich intensiv von oben betrachtet? Denkt euch nur die Mountainbiker weg...

Der Baumwipfelpfad im Nationalparkzentrum Lusen ist spektakulär.

Der Sprung ins kühle Nass. Ein Genuss im Naturbad Neukirchen beim Heiligen Blut.

Neukirchen Beim Heiligen Blut.

Informationen Trans Bayerwald 

Mountainbike-Abenteuer Bayerischer Wald
17.000 Höhenmeter – 700 Kilometer
2 Routen – 14 Etappen

Tourismusverband Ostbayern e.V.

www.trans-bayerwald.de
Das kostenlose Starterpaket kann man per E-Mail an info@trans-bayerwald.de bestellen.

Beste Reisezeit

Vom Frühjahr bis zum Spätherbst.

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

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