E MTB vs. MTB

Text Holger Schaarschmidt, Andreas Meyer Bild Andreas Meyer
E MTB

Ein Streitgespräch zwischen unserem Fotografen Andi und unserem Reiseredakteur Holger

Hier prallen Welten aufeinander. Ich könnte konstatieren: Fortschritt gegen Beständigkeit, Zukunft gegen Vergangenheit oder Faulheit gegen Ehrgeiz. Aber ich lasse es und hör mir an, wie Andy und Holger mit Worten fechten.

Aus der E-MTB Spezial N°2.18


Andi – pro E-Bike

Wieder ist es soweit, dass mich meine Downhill-Vergangenheit einholt und ich inzwischen in der E-Bike-Ecke der Redaktion gelandet bin. Angefangen hatte es als beruflicher Flirt mit dem neuesten geilen Scheiß, der es mir auch mit dem 15kg-Kamerarucksack auf dem Rücken erlaubte, ehemaligen CC-Profis hinterher zu fahren – als Durchschnittsradler und ohne Blutdoping. Inzwischen ist E-Bike-Fahren fester Bestandteil meiner Freizeitgestaltung. Auch wenn ich den halben Sommer auf den Trails in den Alpen auf meinem Enduro verbringe – nach einem langem Tag in der Redaktion juckt es mich oft noch in den Waden und ich schwinge mich aufs Bike. Mit reiner Muskelkraft läuft es da auf den immer gleichen Hausberg raus, der schon vor Jahren langweilig wurde. Mit dem E-Bike geht es hingegen turboschnell auch die steilste Rampe rauf. So lässt sich erkunden, ob es irgendwo noch neue Trails gibt; welche bereits bekannten man miteinander verbinden kann oder wo sich ein neues Panorama genießen lässt. Mit dem normalen Bike wird das schnell zum frustrierenden Glücksspiel; jedenfalls, wenn man nicht zehnmal im Jahr gruppenweise Flachlandtiroler über den Alpenkamm scheucht, so wie du. Das E-Bike bietet mir den perfekten Ausgleich, um nach der Arbeit nochmal die alten Trails hochzukurbeln, neue zu entdecken und am Ende des Tages einfach biken zu gehen.

Holger – pro „echtes“ Bike

Mountainbiken heißt: Unabhängigkeit, Freiheit, seine Ziele aus eigener Kraft erreichen und der damit verbundene Spaß, diese zu verwirklichen. Das Glücksgefühl danach ist wie ein Rausch; das sagen sogar Wissenschaftler – sei es nur der kurze Ausgleich nach der Arbeit oder eine lange Tour. Auch finde ich es schön, nach Feierabend eine Runde durch den Wald zu fahren, ehrlich zu schwitzen, die Ruhe zu genießen… das Laub rascheln, Vögel zwitschern, die Stollen der Reifen über den Boden rollen, Äste brechen und auch mal mein Atmen zu hören – ohne das permanente Zivilisationsrauschen in Form eines nervtötenden E-Bike-Antriebs um mich zu haben. Ich möchte nicht von der Steckdose abhängig sein und auch da noch Trails entdecken, wo längst keine E-Bike-Ladestation mehr zu sehen ist, Andi! Natürlich gönne ich jedem seinen Spaß mit dem E-Bike. Und genieße weiterhin meine Ruhe auf den schönsten Almen mit dem tollsten Panorama, während die motorgedopten Bike-Kollegen sich in überfüllte Hütten quetschen, nur um ihre Akkus wieder vollzuladen.

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