Bad Kleinkirchheim – Bike & Beach in den Nocky Mountains

Text Lena Seidl Bild Stefan Schopf
Reise

Bad Kleinkirchheim

Zugegeben – Kärnten war für mich bisher eher mit Oma-Urlaub, denn mit saftigen Anstiegen und flowigen Trails besetzt. Gut, dass man häufig eines Besseren belehrt wird!

Noch am Abend unserer Anreise treffen wir Wolfgang Krainer, Chef der örtlichen Sportschule und Mitinitiator des Vorzeigeprojekts „Nockbike“, das bereits seit über 20 Jahren ein breit gefächertes Bike-Wegenetz in der Region erschließt und zugänglich macht.

Gemütlich wird im Gastgarten des Feriendorfs Kirchleitn über Wege, Bikes, sowie fahrtechnische Kniffe philosophiert und werden Pläne für den morgigen Tag geschmiedet.

Frühstück am Berg? Da sind wir immerzu bereit! Früh aufstehen lohnt sich, wenn am Gipfel Kaffee und selbstgemachte Marmelade warten. Um 6:30 Uhr morgens stehen Wolfgang Schneeweiß, Bikeguide und Eigentümer des Feriendorfs Kirchleitn und zwei weitere Gästen schon bereit. Michi (42) und Sohn Florian (11) hatten gar nicht geplant, im Urlaub richtig biken zu gehen und wurden, wie auch ich, von der Bikekompetenz der Region so positiv überrascht, dass sie nun bereits den dritten Tag in Folge im Sattel sitzen. Und so kurbeln wir zügig die 850 Höhenmeter zur Bergstation der Brunnachbahn. Immer wieder halten wir für kleine Verschnaufpausen an und Wolfgang erzählt über „seine“ Nockberge, die die westlichste und höchste Erhebung der Gurktaler Alpen darstellen.

Scheinbar harmlos und sanft wölben sich die grasbewachsenen Nockerl im südlichsten Bundesland Österreichs, und steigen am höchsten Berg doch auf immerhin 2.441 m an.

Mit „Nocken“ sind die abgeflachten Gipfel gemeint, auch Kuppen genannt.

vermutlich stammt es vom spätlat.-gemeinroman. cuppa „Becher“ ab, das dann übertragen im Sinn von „Haube“ für einen Gipfel verwandt wurde.

 
 

Auch hier finden sich kleine, fast schon einsame Hütten auf dem Berg mit wirklich hervorragendem Essen.

"Die Kärntner, meinte einst die Kollegin eines Lifestyle-Magazins, seien freizeitverliebt, entschleunigt, natur-urban und italienischer als überall sonst in Österreich. Wenn es aber so etwas wie Little Kitzbühel gebe in Kärnten, dann sei das Bad Kleinkirchheim."

Auch die Anstiege sind gar nicht so ohne, zwicken in den Waden und der Kuhfladenslalom über die Almwiese verlangt einiges an Konzentration! Mit Blick auf den Millstätter See erreichen wir die Bergstation der Brunnachbahn, auf deren Sonnenterasse bereits ein herrliches Frühstück voller regionaler Köstlichkeiten auf uns wartet. Die Wirte der Region sind stolz auf ihre heimischen Produkte, die von den hiesigen Sennern und Bäuerinnen produziert und verkauft werden. Im Feriendorf Kirchleiten stehen einmal die Woche die Bäuerinnen sogar selbst hinterm Herd und kochen ihre geheimen Rezepte für die Gäste. Zum Frühstück gesellen sich auch Michi’s Tochter Regina und seine Frau Monika zu uns. Die Mädels der Familie haben ausgeschlafen und sich gemütlich von der Bergbahn zum Frühstückstisch chauffieren lassen. Nun will die Familie noch gemeinsame Zeit am Berg verbringen. „Regina geht gerne schwimmen, ich mal lieber Tennis und die Jungs wollen sich am Berg auspowern, hier bekommen wir endlich alles unter den Hut und niemand kommt zu kurz“ erzählt Monika und Wolfgang grinst. „Das ist genau das, was unsere Region so besonders macht!“ bestätigt er Monikas Gedanken.

Einer weiteren Besonderheit frönen wir einige Meter von der pittoresken St. Oswalder Bockhütte entfernt: einem Speikfußbad in einer eiskalten Quelle. Der Speik, diese kleine Zauberpflanze, ist nur in den Nockbergen zu finden. Zwei Almbauern dürfen das fünf bis 15 Zentimeter kleine Baldriangewächs ernten und nur ein Unternehmen darf es zur Herstellung von Naturkosmetikprodukten verwenden. Der „Alpenbaldrian“ ist für seine wertvollen und begehrten Inhaltsstoffe bekannt, die sich in den Wurzeln verstecken und nur durch gekonnte Extraktion zu einem ätherischen Nadelöl verarbeiten lassen. Nach dem eiskalten Fußbad pflegt das wohlriechende Speiköl unsere Füße und es kurbelt sich gleich viel leichter den kleinen Gegenanstieg zurück zur Bergstation.

Es ist an der Zeit, die Trails der Region zu testen. Wolfgang hat uns gestern noch einen geheimen Weg zugeflüstert, den wir unbedingt unter die Räder nehmen sollen.
Gewohnt vorsichtig rollen wir in den Trail, schließlich tummelten sich am Bergrücken recht viele Wanderer. Doch auch hier werden wir positiv überrascht. Nur zwei Wanderinnen kreuzen unseren Weg, grüßen freundlich und feuern uns sogar noch an, die nächste Steilstufe zu meistern.
Später erklärt uns Hannes Nindler, ebenfalls Bikeguide und Hotelier des Bike-Hotels Lindenhof:
„Das Wandern in Bad Kleinkirchheim erfährt zur Zeit einen Wandel. Immer mehr Menschen nutzen die Bahn, um auf den Berg zu kommen und dort um den Gipfel zu wandern. Die Wege vom Gipfel ins Tal, direkt an die Seen, werden von Wanderern immer weniger genutzt - das kommt uns Bikern natürlich zugute!“

Hauben in anderer Form sind in Hannes Nindlers Bikehotel zu finden. Sein Team hat auch 2015 wieder zwei Hauben des renommierten Restaurantführers Gault & Millau erkocht. Ein hervorragender Ort also, um unseren aufkommenden Mittagshunger zu stillen!
Im Landhotel Lindenhof wird der Kärntner Laxn, eine seltene Art der Lachsforelle, serviert. Diese Seeforelle kommt nur in der Region vor. Ein Verein nimmt sich der Aufzucht des Speisefischs an, im kristallklaren Gebirgswasser wächst der Laxn langsam heran. Dank seiner herausragenden Fleischqualität wurde er bereits im 14. Jahrhundert nach Wien an den Kaiserlichen Hof geliefert.

Allgemein hat die Region einiges zum Tourenabschluss zu bieten.
An Sonnentagen kann man auf den idyllischen Wegen vom Gipfelkreuz bis zum Brennsee flitzen um dort die restliche Energie beim Wassersport loszuwerden oder sich auf einer der vielen Liegewiesen zu entspannen. Falls das Wetter mal nicht so mitspielt gilt der Leitspruch: „Vom Gipfel in die Therme“ und man lässt sich in einer der beiden Thermen in Bad Kleinkirchheim (z.B. mit einer Speikmassage?) verwöhnen. Zugegeben: ein Geheimtipp für trailverliebte Familien und Pärchen, die bereit sind, sich von der herzlichen Gastfreundlichkeit der Kärntner überraschen zu lassen!

Stoamandl am Berg, der kühle Sprung in den See im Tal. Hier kann man Vieles verbinden.

Wissen

Dialekt lernen an der Nockalmstraße: Jede der 52 Kehren („Reidn“ genannt) trägt den Namen einer einheimischen Blumenart. Auf 35 km führt die Panorama-Straße durch den größten Fichten- und Zirbenbestand der Ostalpen. Man kann sie aber auch mit dem Rennrad erfahren: z.B. am 03.07.2015 beim ARBÖ Radmarathon Bad Kleinkirchheim.
Kärnten Radmarathon>>

Ein Abstecher, aber Campen am See und Akkustic-Gitarre sind es sicher wert:
Acoustic Lakeside Festival
Acousticlakeside>>

Wer sich schonmal auf Kärnten einstellen will:
Kabarett von den RaDeschnig-Zwillingen
Radeschnig>>

Highlights

09. Juli 2016: Fisch in allen Variationen beim Fischfest in Feld am See

15. – 18.06.2015
Protective Bike 4 Peaks mit Strecken in der Region

Shilling Nock Ale testen in der kleinen feinen Brauerei in Radentheim
Shilling>>

Weitere Infos: Bad Kleinkirchheim>>

Unterkunft

Landhotel Lindenhof****, Feld am See
Landhotel Lindenhof>>

Bike & Seewellness Brennseehof****S, Feld am See
Brennseehof>>

Feriendorf Kirchleitn****, Bad Kleinkirchheim
Kirchleitn>>

Infrastruktur:

Tourengebiet/ Trails/ Shuttle/ Bergbahnen mit Biketransport/ Bikeverleih + Ebikes/ Bikeshops/ Guiding

Wanderkarten

- Kompass 063
Bad Kleinkirchheim
Kompass>>

- nock/bike-Radkarte auf Nockbike>>

GPS-Touren

Nockbike>>
Alpenverein>>

Geführte Touren

Sportschule Krainer, Sportschule>>

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