Als Guide in den schottischen Highlands – Der Traum ?

Interview Norman Bielig Bild H&I Adventures
Geschichten

Chris Gibbs von H&I Adventures im Interview

Chris ist der Hauptguide von H&I Adventures für Schottland. Die meisten kennen ihn eher unter dem Namen „The Bear“, und irgendwie ist das auch gar nicht so abwegig, als er uns bei 5° in kurz-kurz durch die schottischen Highlands führt. Wir unterhalten uns mit ihm über das Guiding in den Highlands, die Natur hier, seine Gäste und natürlich Whiskey.

world of mtb: Kannst du dich bitte kurz vorstellen.

Chris Gibbs: Hi, ich bin Chris, aber die meisten kennen mich als „The Bear“. Ursprünglich habe ich mal Soundtracks komponiert, musste dann aber feststellen, dass meine Liebe zur Natur die zu einem Aufnahmestudio überwog. Nach Stationen in Japan und den Alpen guide ich nun für H&I Adventures in Schottland.

world of mtb: Was macht H&I Adventures genau und was ist der spezielle Anspruch der Firma?

Chris Gibbs: Ich denke, dass es der Sinn fürs Detail ist, dass jede H&I Reise anders und besonders macht. Jede Reise wird lange und sorgfältig geplant, so dass sichergestellt werden kann, dass Gäste ein hervorragendes Erlebnis haben. Angefangen von den Trails, über Unterkünfte bis hin zur kulturellen Erfahrung wurde alles aufeinander abgestimmt um ein besonderes Abenteuer zu bieten. Wenn die Reisen dann mal fertig gestellt sind, legt das Büro besonderen Augenmerk darauf für jeden Gast die ideale Reise zu finden. Hier wird viel und intensiv beraten. Daneben haben wir wohl ein paar der besten Guides weltweit, und was noch wichtiger ist, alle unsere Guides sind Locals, so dass sie sich in ihren Regionen einfach perfekt auskennen in Bezug auf Natur, Kultur, Wetter, Trails und am Wichtigsten natürlich, welches Bier besonders gut schmeckt.

world of mtb: Welche Touren habt ihr in Schottland und was macht diese besonders?

Chris Gibbs: Wir haben vier Reisen in Schottland. Torridon and Skye, das ist unsere anspruchsvollste. Ich glaube das wir dort ein paar der besten und technischsten Trails der Welt haben. Die Coast to Coast. Episch ist irgendwie ausgelutscht, aber hier trifft es einfach zu. Es ist ein ursprüngliches Abenteuer, das uns durch einige der beeindruckendsten Landschaften Schottlands führt. Wir bilden hier eine große Vielfalt an Trails ab, von flowig bis hin zu wirklich alpin. Die Cairngorms Reise beginnt direkt außerhalb Aviemores im Herzen der Cairngorms, dem einzigen arktischen Landstrich des UK. Gerade im Sommer sind die Cairngorms ein Herd an flowigen Trails und aktiver Natur. Die Taste in Trails Reise ist unsere Einstiegsrunde für Schottland. Hier haben wir viel Zeit an der Fahrtechnik zu arbeiten und uns so immer aufregenderes Gelände zu arbeiten. Wir steuern auch verschiedene Locations an, so dass es eine gute Reise ist um einen ersten Überblick zu erhalten. Darüberhinaus machen wir auch Individualreisen für feste Gruppen, da können wir einfach aus unserer Erfahrung verschiedene Locations zusammenbringen.

world of mtb: Wird man nass werden, wenn man in Schottland fährt? (ein kleiner Insider, denn Chris erzählte uns, dass ihn lustigerweise gerade die Deutschen dies immer fragen)

Chris Gibbs: Schottland hat vier sehr starke Jahreszeiten, dummerweise kommen die oft an einem Tag zusammen. Unglaublich, aber Schottland hatte letztes Jahr einige Tage, an dem es der heißeste Ort in Europa war. Der Trick ist einfach gut vorbereitet zu sein. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlecht gewählte Kleidung.

world of mtb: Was macht das Mountainbiken in Schottland besonders?

Chris Gibbs: Schottland ist immer noch sehr frei und wild. Es dauert nicht lang bis du dich wirklich weit weg von der Zivilisation fühlst und das Bike ist ein ziemlich guter Weg diese Landschaft zu erkunden. Im Gegensatz zu den Alpen oder anderen Orten sind die Trails extrem ruhig. Es kann dir passieren, dass du tagelang einfach niemanden triffst.

world of mtb: Wenn jemand ein wirkliches Abenteuer sucht, wo sollte er dann hin in Schottland?

Chris Gibbs: Schottland hat eine große Menge und Vielfalt an Trails, so dass es darauf ankommt welches Abenteuer man erleben möchte. Es gibt eine Vielzahl an Trailcentern für einen wirklich spaßigen Roadtrip, oder man sucht sich die flowigen Trails in den Cairngorms oder einen Guide um die großen Berge der Westküste der schottischen Highlands zu erkunden.

world of mtb: Du hast mir eine Menge zu eurer Coast to Coast Reise erzählt. Was ist so speziell an dieser und welche Art von Mountainbiken erlebt man dort?

Chris Gibbs: Wie ich schon angedeutet habe ist die Coast to Coast Reise mein Lieblingstrip zum Guiden. Mountainbiker sollten sich auf ein großes Abenteuer einstellen mit langen Tagen, technischen Trails, alpinen Trails, wunderschönen Wegen durch einsame Täler, Tragepassagen und wahrscheinlich einigen der besten Wege im Land. Ich habe bisher noch niemanden gesehen, der nicht mit einem großen Lächeln am Ende angekommen wäre.

world of mtb: Welches Essen sollte man in Schottland unbedingt probieren?

Chris Gibbs: Schottland ist in meinen Augen ein Traum für Foodies, da es hier jede Menge frischer, regionaler Produkte gibt. In den letzten Jahren ist gutes und frisches Essen auch in kleine Städte und Dörfer vorgedrungen. Lachs und Wild sollte man unbedingt probieren, darüber hinaus gibt es jede Menge Meeresfrüchte. Die besten Muscheln, die ich je hatte gibt es in einem kleinen Dorf durch das wir bei unseren Coast to Coast und Torridon and Skye Reisen kommen. Muschelfischer sieht man an der Westküste sehr viel, und natürlich gibt es da auch noch Haggis.

world of mtb: Welches Bier?

Chris Gibbs: In den Cairngorms alles von der Cairngorm Brauerei. Cairngorm Gold und Wildcat sind meine Favoriten, aber jeden Monat gibt es von ihnen auch eine Ladung saisonal gebrautes Bier. Wenn ich im Westen bin mag ich Skye Red oder an Teallach, das nach einem berühmten Berg benannt ist an dem wir oft vorbeifahren.

world of mtb: Und welcher Whiskey?

Chris Gibbs: Ich persönlich mag vor allem Westküstenwhiskey, vor allem Bruichladdich.

world of mtb: Was gefällt dir am Guiding?

Chris Gibbs: Ich liebe es Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen und ihnen besondere Orte zu zeigen, die mir etwas bedeuten. Ich mag es zu sehen, wie sich aus den Individuen eine Gruppe bildet über eine Reise und wie sich Herausforderungen annehmen. Es ist sehr anerkennend, wenn am Schluss alle begeistert und dankbar für die Reise und die erlebten Abenteuer sind. Ich mag es auch einfach Zeit in den Bergen zu verbringen, und ja, ich mag auch das Wetter hier. Außerdem hat mir nie eine Krawatte gestanden.

world of mtb: Wie viele Guidingtage hast du im Jahr?

Chris Gibbs: Diesen Sommer waren es 112 Tage.

world of mtb: Was machst du neben dem Guiden noch?

Chris Gibbs: Ich unterrichte Zweiradmechanik und halte Fahrtechnikkurse. Im Winter bin ich Skilehrer, fahre aber eigentlich das ganze Jahr Mountainbike. Außerdem schreibe ich, vor allem Abenteuerstories und gerade arbeite ich an einem Kinderbuch.

world of mtb: Hattest du schon einmal ernsthafte Verletzungen beim Guiden?

Chris Gibbs: Wir hatten bislang Glück und noch keine ernsthaften Verletzungen. Das denkwürdigste ist mir bislang passiert, als ich eine Gruppe von hinten guidete. Wir fuhren einen sehr schnellen Trail und der Fahrer vor mir schreckte ein Huhn auf. Es flog genau auf Kopfhöhe und ich traf es bei voller Fahrt. In einer Explosion aus Federn hat es mich aus dem Sattel geholt. Ich habe die Gruppe dann wieder eingeholt eingelegt in Schlamm, Kratzer und mit Federn an meinem Helm. Ich werde immer noch häufig darauf angesprochen.

world of mtb: Was machst du an deinen freien Tagen?

Chris Gibbs: An meinen freien Tagen mag ich einen guten Mix. Oft zieht es mich in die Berge hin zu technischen Trails, ab und an mag ich aber auch einfach nur einen entspannten Tag mit Freunden in einem der Trailcenter.

world of mtb: Wie ist die Mountainbike-Szene in den Cairngorms, wo du wohnst?

Chris Gibbs: Die Cairngorms haben eine tolle Szene. Es werden immer mehr Leute und dennoch sind die Trails keinesfalls überfüllt. Der lokale Bikeverein hat einige der besten Rennfahrer des Landes hervorgebracht und der Ort zieht viele Leute aus anderen Regionen an. Das Beste an unserer Szene ist sicherlich, dass sie so freundlich ist. Es gibt immer jemanden mit dem man fahren gehen kann und Leute in unterschiedlichen Leveln und Begabungen helfen sich gegenseitig.

world of mtb: Welche Natur und Tierwelt erwartet einen in den Highlands?

Chris Gibbs: Die Highlands sind wild, übersäht mit sehr alten Waldbeständen und eindrucksvollen Bergen. Das arktische Klima in den Cairngorms beheimatet wilde Rentierherden und eine ganze enge anderer Tiere, die es sonst nirgendwo in UK gibt. Schneehase und Fischadler sieht man oft wenn man ein Auge dafür hat. Im Westen ist es der Wahnsinn wenn wir mal wieder einen Adler oder sogar einen Seeadler sehen. Ich bin aber auch immer glücklich einen Hirsch in den Cairns oder anderen Berggebieten zu sehen.

world of mtb: Welche Regionen stehen auf deiner To-Do-Liste?

Chris Gibbs: Ich würde liebend gern auf den H&I Norwegentrip gehen, der schaut einfach fantastisch aus. Ich arbeite nun schon eine Weile an dem Plan die Haute Route zu fahren und auch die Trans Provence wäre sicherlich etwas ganz besonderes.

world of mtb: Was magst du am Leben in den Cairngorms?

Chris Gibbs: Neben vielen anderen Dingen mag ich es, dass ich von zu Hause losfahren kann und schon nach 20 min fühlt es sich an als wäre ich im Nirgendwo, nur ich und die Trails. Außerdem gibt es eine tolle Outdoor Community und natürlich das lokale Essen und die Brauereien.