Dahner Felsenland – Biketipp im Pfälzer Wald

Text Norman Bielig Bild Marco Felgenhauer
Reise

Dahner Felsenland

Der Pfälzer Wald ist schon lange kein Geheimtipp mehr, jährlich zieht es mehr und mehr Biker in das südlich von Koblenz gelegene Waldgebiet. Zahlreiche Trails verschiedener Schwierigkeitsstufen und moderate Anstiege kombiniert mit geringen Anfahrtswegen sorgen für steigende Radfahrerzahlen. Am südlichen Ende befindet sich im Wasgau das Dahner Felsenland unweit der französischen Grenze. Ein Gebiet welches vielleicht als Essenz des Pfälzer Waldes bezeichnet werden kann, ein Geheimtipp, der Trail-Liebhaber ins Schwärmen bringen wird.

Patrick Wiedemann von Trailrock ist Dahner Local und der ideale Guide für die zahlreichen Pfade der Umgebung.

Ankunft in einer Welt aus Sagen und Mythen

Wir kommen am späten Nachmittag im Pfälzer Wald an und bahnen uns den Weg Richtung Dahn. Mit einer Abzweigung von der Umgehungsstraße begeben wir uns direkt in ein Gebiet voller Sagen, Burgen, Felsen und vor allem Trails. Direkt an der Biegung entdecken wir eine der eindrucksvollsten Felsformationen aus Buntsandstein, welche uns die nächsten Tage noch begleiten werden. Der Teufelstisch zeigt eine bizarre Pilzform, die durch Erosion der umgebenden weicheren Oberflächenbestandteile entstand. Der Heimatdichter Johann Martin Jäger brachte im 19. Jahrhundert den Volksglauben an den Teufelstisch, an dem Beelzebub eines Abends sein Mahl einnahm zu Papier, oder wie ein guter Bekannter sagen würde. Jede Höhle oder Felsformation, die etwas ungewöhnlich aussieht hat sicherlich „Hölle“ oder „Teufel“ im Namen.

Aussichtsreich, rasant oder einfach nur gemütlich auf der Höhe. Das Dahner Felsenland bietet feinsten Nadelwaldboden und abwechslungsreiche Wege.

In Dahn angekommen treffen wir Patrick, der mit seiner Guiding- und Fahrtechnikfirma Trailrock die umgebenden Wege wie seine Westentasche kennt. Wir entschließen uns die letzten Sonnenstrahlen zu nutzen und uns noch ein wenig Bewegung zu verschaffen. Direkt in Dahn lädt der Jungfernsprung, welcher den kleinen Ort in zwei Hälften teilt zum Entdecken ein. Er überragt den Ort um etwa 70 Meter, doch bietet er zahlreiche schmale Pfade zum kurzen Zeitvertreib. Pünktlich zum Sonnenuntergang siedeln wir auf den vordersten Teil des Jungfernsprunges um und Patrick erzählt von der Entstehung des Namens. Von einem Raubritter verfolgt, soll eine Jungfrau als einzigen Ausweg den Sprung vom Felsen gesehen haben. Ihr wallendes Kleid verhalf ihr dabei zu einer sanften Landung und an der Stelle, an welcher ihr Fuß auftraf, entstand eine Quelle. Eine nette Geschichte und gute Unterhaltung für eine kurze Pause, doch wir dringen nicht weiter vor ins Land der Sagen und Mythen, sondern konzentrieren uns auf weltliche Freuden und fahren zum regionalen Abendessen, bevor es glücklich und gestärkt zum Kraft tanken für den nächsten Tag geht.

Für Pfälzer Verhältnisse geht es hier richtig zur Sache. Wurzeliger Untergrund und hohe Stufen fordern Geschick.

Pfadkultur

Patrick holt uns am nächsten Morgen direkt an unserer Pension ab. Er hat uns am Abend zuvor schon ganz neugierig auf die lokalen Trails gemacht, dass und die Pfade des Ankunftstages steigern unsere Vorfreude ungemein.
Wir starten unsere Tour gleich in Dahn, umgeben von Wald und Felsen gibt es kaum Zeit zum Einfahren bevor es ins Dickicht und auf die ersten Trails geht. Doch eine kurze Zeit rollen wir noch nahe der Straße dahin, vorbei an den Industriegebieten Neudahn 1 und 2, die uns schon auf dem Hinweg ein Schmunzeln ins Gesicht trieben. Schließlich sind fast nur noch alte Bauruinen vorhanden, kaum noch florierende Industrie, doch Patrick erzählt uns, dass er plant dort in der Nähe in Zusammenarbeit mit der DIMB einen weiteren Flowtrail entstehen zu lassen. Nun aber genug der Einrollzeit, wir biegen an einem kleinen See ins Gelände und schon wartet der erste Anstieg auf uns. Steil geht es hinauf, zwar sind es nur 15 Minuten, doch diese kleinen Bergaufpassagen werden uns über die nächsten Stunden die Kraft nach und nach aus den Beinen ziehen. Oben angekommen geht es in die erste von zahlreichen Trailabfahrten an diesem Tag, ein schmaler, aber wenig schwieriger zu fahrender Pfad, mit weichem Waldboden und dem gebrochenen Licht der Sonne ideal zum Einfahren. Die nächsten Wege werden anspruchsvoller, mal Wurzeln, mal Spitzkehren, ein kleines Paradies für all jene die das Bewältigen von Spitzkehren im Schlaf beherrschen oder sich daran heranarbeiten möchten. Nicht umsonst fand eine der ersten Fahrtechniktrainerausbildungen der DIMB im letzten Jahr hier in Dahn statt. Patrick ist Mitglied des Fahrtechnikteams der DIMB und leitete den Lehrgang mit seinem Kollegen Jens Worg aus Leipzig. Bei unserem Besuch in Dahn im letzten Sommer zeigte mir Patrick schon einige der Pfade, welche mit den zukünftigen Fahrtechniktrainern befahren werden sollten. Tolle, aber auch herausfordernde Trails, ideal für eine solche Schulung.

Symbiose in Vielfalt

Vor dem Mittagessen machen wir noch einen kurzen Schlenker. Unterhalb einer Kletterwand mit rostrotem Fels führt ein Zustieg durch den Wald. Über Wurzeln und Gestein in leichtem Gefälle bis an den Fuß der Wand, die Sonne bricht durch das lichte Blätterdach, trifft auf den Fels und lässt das rot erstrahlen. Genau im richtigen Moment gelang unserem mitgereisten Fotografen das Betätigen des Abzuges, das Foto dazu findet sich im Pictorial der letzten Ausgabe. Von hier aus fahren wir zum Mittagessen. In unmittelbarer Nähe findet sich eine der zahlreichen Hütten des Pfälzer Wald Vereins, Vereinsmitglieder kümmern sich um die Bewirtung der Gäste, die Einnahmen kommen der Weg- und Kulturpflege in der Region zu gute. Aus Erfahrung lassen wir die deftigen Spezialitäten der Region zum Mittagessen lieber weg, Saumagen geht während sommerlicher Sporttouren doch recht eigenwillige Verbindungen mit dem Körper ein. So konzentrieren wir uns auf leichtere Speisen und verschieben die ausgiebige Mahlzeit auf den Abend und entspannen noch ein wenig unter den Bäumen. Neben vielen Wanderern finden sich auf den Bänken zahlreiche Mountainbiker unterschiedlichsten Alters und mit den verschiedensten Gefährten. Die Art des Mountainbikes hat hier also keinen direkten Einfluss auf den Fahrspaß, oder die Bandbreite der Dahner Wege bietet für jeden die richtige Auswahl. Auch kaum zu glauben, dass wir auf unserer bisherigen Tour kaum andere Biker getroffen haben, da anscheinend sich die Menge der Radfahrer sehr gut verläuft auf den zahlreichen Pfaden.

Spitzkehren gehören zum Dahner Felsenland untrennbar dazu. Das starke Gefälle der Buntsandsteinerhebungen wird so abgemildert und Mountainbiker erhalten ein wahres Eldorado an Übungsmöglichkeiten.

Burgen und Buntsandstein

Frisch gestärkt geht es nach dem Mittagessen in Richtung französische Grenze, welche sich unweit von Dahn befindet und den Übergang in die Vogesen markiert. Von dem freistehenden Felsen der Umgebung ist diese aufgrund einer markanten Burgengruppe gut sichtbar, eine Grenze die also schon einige Jahrhunderte zurück reicht. Freie Sicht auf die Gruppe gibt es seit einiger Zeit wieder von vielen der zahleichen Erhebungen, denn immer mehr Gesteinsformationen werden von wildem Bewuchs freigehalten, so dass der markante Buntsandstein wieder weithin sichtbar ist. Der Name ist dabei nicht auf die Farbe zurückzuführen, auch wenn das Befahren von regenbogenfarbenen Trails spannend wäre, so bezeichnet er lediglich die Klasse. Die Couleur gleicht eher einem rostrot und stellt einen hervorragenden Untergrund zum Biken dar. Auch fühlt man sich auf den Buntsandsteinpfaden gerne ein gutes Stück südlich versetzt, so mediterran wirkt der Bewuchs.
Auf dem Weg zur Burgengruppe haben wir viel Zeit die unterschiedlichen Formen der Felsen zu studieren, so geht es in stetem auf und ab, immer auf handtuchbreiten Pfaden dahin. Auf einer der Ruinen angekommen stellen wir fest, dass das Panorama, trotz fehlender Berge hier sehr schön ist. Sanfte Hügel soweit das Auge reicht, dazwischen Ruinen, Burgen und Sandsteinfelsen, besonders viel Zivilisation findet sich dazwischen nicht – perfekt zum Ausspannen.
Zurück in Dahn genehmigen wir uns endlich die regionalen Spezialitäten und müssen feststellen, dass eine Weiterfahrt damit keinesfalls möglich gewesen wäre.

Busenberg und Jungfernsprung

Am nächsten Morgen werden wir wieder von unserer Unterkunft abgeholt und auch heute geht es direkt per Bike los. In unmittelbarer Ortsnähe findet sich eine weitere Erhebung mit zahlreichen Pfaden. Auch hier begegnet uns der typische rote Sandstein wieder und das mediterrane Gefühl verstärkt sich spätestens nach dem Mittag, da die Südseiten der Sandsteine sich extrem aufheizen und ein längeres Verweilen zur schweißtreibenden Angelegenheit wird. Wir spielen noch ein wenig auf den Wegen, üben Spitzkehren und genießen das traumhafte Wetter, bevor es nach dem Mittag schon wieder an die Heimreise geht.

Interessante Namen geben die Pfälzer ihren Bergen.

Dahn stellt damit den Abschluss unserer letztjährigen Deutschlandtour dar und war es ein würdiger. Tolle Trails aller Schwierigkeitsstufen, fantastische Aussichten und viel Ruhe gepaart mit leckerem regionalen Essen und Brauereierzeugnissen. Mit diesen Eckpunkten dürfte Dahn nicht mehr allzu lange ein Geheimtipp im südlichen Pfälzer Wald bleiben. Wir sind uns ziemlich sicher schon bald wieder vorbeizuschauen, denn zu entdecken gibt es laut Patrick noch so einiges. Für interessierte Besucher ist sein Trailtourenwochenende sicher der perfekte Einstieg in das Trailparadies Dahner Felsenland.

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