Wupp`n`Duro – Die Ursprünge der Trail Trophy

Text Thomas Schleckig Bild Paul Masukowitz
Reise

Wupp`nDuro
oder: Wie alles begann ...

Kennen Sie das? Es gibt Ereignisse, die als Initialzündung für die weitere Entwicklung gedient haben. Die man dann über die Jahre ein bisschen aus dem Blickwinkel verloren hat, bevor man sich wieder an diese Ursprünge erinnert. So ähnlich lief das auch mit einer ganz normalen Mountainbike Tour zwischen Solingen und Remscheid, dem „Wupp’nDuro“ – und den Anfängen der Trail Trophy.
Wem jetzt all das wenig sagt, der sei kurz aufgeklärt: Die Trail Trophy ist ein zwei- oder dreitägiges Mountainbike Enduro-Rennen mit hohem Spaßfaktor an fünf Austragungsorten in Deutschland, Südtirol und der Schweiz. Und die MTB-Tour im Wuppertal zwischen Solingen und Remscheid führt durch die Hänge rechts und links des Flusses Wupper  – auf einer dieser Touren entstand der „Wupp’nDuro“, und daraus die Idee zur Trail Trophy.  Aber der Reihe nach!

Es war einmal...

Es begab sich im Frühjahr 2008 (so ganz genau ist das im Rückblick nicht mehr zu datieren), da war ich wieder einmal mit ein paar Jungs aus meinem Bekanntenkreis auf den Trails an der Wupper unterwegs. Weil der Startpunkt meist beim Campingplatz in Solingen-Glüder lag, nannte man es gemeinhin auch: „glüdern gehen“. Will heißen: so viele Trails wie möglich aneinanderreihen. Die einen mochten mehr den „Steilkram“ – also so schnell und steil wie möglich bergab. Andere – mich eingeschlossen – bevorzugten doch eher die längeren, flowigen Abfahrten bzw. Trails, auf denen man hin und wieder auch etwas pedalieren musste. Irgendwann setzte sich der Gedanke fest, man müsste auf den verschiedenen Trails doch mal schauen, wer da in Summe der Schnellste wäre ... So ergab ein Wort das andere, und plötzlich stand der Begriff „Wupp’nDuro“ im Raum. Dazu muss man wissen: Im Jahr 2008 war „Enduro“ noch überhaupt kein Begriff als solcher. Ich wusste, die Franzosen machten da irgendwelche Rennen. Und Uwe Buchholz hatte 2008 mit rund 25 Teilnehmern das erste Rennen dieser Art in Deutschland veranstaltet – wenn auch (noch) weitgehend unbeachtet ...
Doch der Gedanke ließ mich nicht los.

Die erste Wupp´n´Duro

Im Herbst 2008 war es dann soweit – der erste Wupp´n´Duro stand an. Nichts Offizielles: Dreizehn Biker auf dem Parkplatz, zwei Stoppuhren, zwei Klemmbretter – los ging’s auf eine 30 Kilometer lange Runde und fünf Abschnitte, die auf Zeit gefahren werden sollten. Von „Stages“ sprach zu der Zeit noch niemand, und natürlich gab es keine Markierung der Strecke (wir kannten ja die Trails), Absperrbänder oder andere Streckenkennzeichnungen. Die Zeiten wurden per Hand notiert und am Ende in die Tabelle gehackt. Das dauerte eine gute Dreiviertelstunde, bevor es das Endresultat für alle zwölf Fahrer gab.

Schmucke Fachwerkstättchen säumen den Weg.

Willkommen im Jetzt

Heute, im Jahr 2015, ist (fast) alles anders. Die TrailTrophy greift auf das übliche technische Equipment zurück, das sich im Enduro-Bereich etabliert hat. Aber wir fahren immer noch die Trails in den Wupperbergen. Und so sind wir hier sieben Jahre nach den ersten Vorübungen zur „TT“ mit Fotograf Paul, Steffi und Bernd in den Wupperbergen unterwegs, um den „Wupp’nDuro“ in seiner Originalfassung zu rocken. Vom Parkplatz weg geht es gleich über eine Serpentinenstrecke berghoch, den sogenannten Römerweg. Oben angekommen, führt der mittelbreite Weg wellig bis zum Einstiegspunkt des ersten Trails, dem sogenannten „Treppen-Downhill“. Zu Beginn kann man zwischen einem versteckten, steilen Einstieg und einer längeren, flowigen Variante wählen. Nach dem tollen Blick vom Aussichtsfelsen oberhalb der Wupper auf den Balkhauser Kotten kommt die erste Schlüsselstelle: die Treppe. Steil bergab mit Geländer rechts – das heißt aufpassen mit dem breiten Lenker! Schnell sind wir wieder unten und kommen noch mal am Ausgangspunkt vorbei, dem Parkplatz. Jetzt erwartet uns der längste Anstieg der Tour mit knapp 200 Höhenmetern bis zum Sportplatz von Witzhelden. Über einen schönen, welligen Trail am Wiesenrand geht es bis zum „Kingwood Forest“ – einem privaten Dirtspot, der seinen Mitgliedern vorbehalten ist. Die Erdhügel interessieren uns aber weniger, sondern wir wollen zum Lukasweg. Dieser Wanderweg wurde in den 30er Jahren angelegt, um Solingen und Opladen bei Leverkusen miteinander zu verbinden. Während der Lukasweg dann steil bergab zur Wupper führt, bleiben wir auf einem Flachstück und rollen auf einem mittelbreiten Trail zügig bergab bis zur kurvigen Landstraße L427. Hier treffen wir auch wieder auf den Lukasweg, überqueren die Landstraße und erfreuen uns an dem nächsten „Sahnestück“ der Tour, dem Trail zum Hundedenkmal am Rüdenstein. In leicht geschwungenen Kurven zieht der Pfad durch den Wald und die buschartige Vegetation, bevor er direkt auf das Hundedenkmal Rüdenstein trifft. Dieses Denkmal wurde 1927 eingeweiht und soll der Sage nach an einen Herzog erinnern, der im 15. Jahrhundert bei einer Jagd vom Pferd stürzte und gerettet werden konnte, weil sich sein Hund nach der Jagd aufgeregt bemerkbar machte.

Serpentinenkurven die jedem Trail in den Alpen gut zu Gesicht stehen würden

Wir fahren das kurze, steinige Trailstück zum Herzbach hinunter und ein paar Hundert Meter auf der Asphaltstraße im Tal durch den Ort Unterrüden. Auch wenn hier verschiedene Gaststätten am Weg liegen, ist uns noch nicht nach einer Einkehr. Denn es geht gleich wieder berghoch, allerdings komfortabel auf einem breiten Forstweg. Kurz nach dem Aussichtspunkt am „Pilz“ – einem runden, überdachten Unterstand aus Holz – biegen wir ab in alpines Gelände. Kein Scherz: Die nun folgenden Serpentinenkurven würden auch jedem Trail in den Alpen gut zu Gesicht stehen. Der Unterschied ist nur, dass die Abfahrt etwas schneller (nach gut hundert Höhenmetern) vorbei ist. Wir sind wieder am gleichen Punkt wie vorhin, unterhalb des Hundedenkmals. Mit voller Absicht, denn jetzt geht es auf die Nordseite der Wupper und dann berghoch – auf einem feinen, recht gleichmäßig ansteigenden Trail kommen wir auf den Klingenpfad. Dieser Wanderweg führt um ganz Solingen herum und trägt seinen Namen, weil Solingen seit Jahrhunderten für seine Schneidwaren, Messer und Klingen europaweit bekannt ist.

Von Klingen und Schneiden

Die Runde verläuft überwiegend durch die Wälder und führt nur durch wenige Ortschaften, eine davon ist der Ortsteil Solingen-Höhscheid, den wir über den Klingenpfad erreichen. Für ein paar Hundert Meter sind wir wieder in der Zivilisation angekommen, bevor wir wieder in den Wald abbiegen zum Start von Sonderprüfung vier. Ähhh … natürlich nicht: Vor uns liegt einfach ein abwechslungsreicher, zunächst welliger Trail, der auch einen kurzen, technischen Uphill beinhaltet. Danach surfen wir in weiten Serpentinenkurven wieder ins Tal. Vorbei an einem alten Gutshof vernichten wir ein paar Höhenmeter auf einem breiten Schotterweg, bevor wir erneut ins Trailvergnügen abtauchen und uns der schmale Pfad am Wupperhof wieder ausspuckt. Auch hier könnten wir wieder einkehren – verzichten aber darauf, denn die folgenden gut 150 Höhenmeter haben es in sich: Bis zu 20 Prozent steil zieht der Forstweg nach oben und bringt uns wieder auf den Lukasweg – einen Abschnitt, den wir auf dem Hinweg schon in die andere Richtung gefahren sind. Diesmal nehmen wir jedoch nicht den Abzweig zum „Kingwood Forest“, sondern bleiben auf dem markierten Pfad, der wenig später zu einem weiteren Highlight dieser Tour führt: Über eine Felsnase geht es recht steil und technisch bergab – eine gute Linienwahl ist hier von Vorteil. Im malerischen Bachtal zwischen hohen Buchen läuft der Trail flach aus und wird nur für die nächsten 300 Meter noch mal etwas breiter. Die letzten zwei Kilometer bis zum Parkplatz sind noch einmal ein Trailvergnügen par excellence: Der Pfad windet sich am Hang entlang, mitunter sogar leicht ausgesetzt um ein paar felsige Nasen herum – bevor er mit einer Speed-Wurzelpassage und Bachdurchfahrt am Campingplatz in Glüder endet. Gute 28 Kilometer und 830 Höhenmeter stehen auf der Uhr – und je nachdem, ob man im TrailTrophy-Modus unterwegs war oder eher gemütlich: Bei 60 bis 70 Prozent Singletrail-Anteil bleibt das Fazit: Der Wupp’nDuro hat es in sich!

Informationen

Lage

Die „Wupperberge“ sind keine offizielle geografische Bezeichnung, sondern ein Begriff, der die Berge und Höhenzüge rechts und links der Wupper von Wuppertal bis Leichlingen bezeichnet. Weite Teile der Gegend gehören zum Bergischen Städtedreieck, das durch die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid geprägt ist Die Wupper durchschneidet das Gebiet zwischen diesen Städten und der Hochfläche zwischen Leichlingen und Burscheid, sodass sich zu beiden Seiten mitunter ausgeprägte Steilhänge gebildet haben, in denen etliche Wanderwege verlaufen. Geografisch gehört die Region zum Bergischen Land – das seinen Namen aber nicht wegen der Berge erhalten hat, sondern aufgrund des Herzogtums Berg, das vom Mittelalter bis Anfang des 19. Jahrhunderts diese Region prägte.
Die beiden bekanntesten Wege sind der Klingenpfad und der Lukasweg – darüber hinaus gibt es aber noch weitere örtliche Wege bzw. Pfade, der sich für die Einbindung in eine MTB-Tour anbieten. Darüber hinaus eignen sich die Wege und Pfade hervorragend als Grundlage für weitere Trailtouren, zum Beispiel flussaufwärts Richtung Wuppertal.

Und auch das ist Mountainbiken – der gelegentliche Pannenstopp.

Anreise/Startpunkt

Ausgangspunkte zu den Touren in die Wupperberge gibt es an vielen Stellen – der Parkplatz an der K4 in Solingen-Glüder bildet aber einen recht zentralen Ausgangspunkt. Zudem bietet sich die Gastronomie des nahen Campingplatzes für einen Abschluss der Tour an.
Anreise: Von Wuppertal/Düsseldorf aus über die A46, Ausfahrt Haan-Ost, und B224 Richtung Solingen-Glüder. Adresse: Balkhauser Weg 240, 42659 Solingen.
Von Süden (u.a. Köln) über die A1, Ausfahrt Burscheid, über L359 bis Witzhelden und weiter nach Solingen-Glüder.

Übernachten

Waldcamping in Solingen-Glüder befindet sich direkt am Startpunkt (www.camping-solingen.de). Für weitere Unterkünfte:
Leichlingen>>
Das Bergische>>
Die bergischen Drei>>

Essen

Mehrere Einkehrmöglichkeiten an der Strecke: Von der einfachen Campingplatz-Gastronomie in Glüder über den Wupperhof bis zum Café/Restaurant Haus Rüden oder Gaststätte Rüdenstein (beide in Unterrüden) gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten. Weitere Gaststätten in Witzhelden oder in Solingen sind nicht weit.

Guiding

Guiders>> (Touren & Fahrtechnik)

Literatur

Supertrail-Map „Wuppertal/Bergisches Land“. 16,95 EUR, Supertrail Map>>

Beste Reisen-/Tourenzeit:

Von Mitte März bis Ende Oktober.

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