Monatsfrau – Jule Wagner

Text Judith Lell-Wagener Bild sportograf, privat
Interview

Radsport und Kritzeleien

Kurvenreich-Fans kennen sie mit Sicherheit: die witzigen Zeichnungen, die seit kurzem jede unserer Ausgaben noch ein Stückchen bunter machen. Wir möchten euch heute vorstellen, wer hinter den wunderbar pointierten „Kritzeleien“ steckt. Tatarataa: Vorhang auf für Jule Wagner – ein lebenslustiges Energiebündel mit gepflegter „Pott-Schnauze“, ihres Zeichens Radsport vernarrte Bloggerin. Ihr Online-Tagebuch „Jule radelt“ ist ein buntes Sammelsurium an Amüsantem und Unterhaltsamem rund um den Radsport. Im Fokus steht dabei der Spaß, vor allem aber auch um das Thema Motivation – und Jule wird nicht müde, sich hier stets neue Aktionen auszudenken. Durch ihren Blog hat sich für die ausgebildete Mediengestalterin, die im „ernsten Leben“ für «Royalbikewear» individuelle Radbekleidung für Teams und Vereine designt, viel verändert – innerlich wie äußerlich…

 

 

 

Aus der Ausgabe 01.17

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Die Dame aus dem Ruhrpott hat immer ein Lächeln im Gesicht!

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Jule mit ihrer ehemaligen Teamkollegin Annika Jeschke.

Judith: Erzähl mal: Warum und für wen bloggst du? Und wie entstand dein Blog „Jule radelt“ eigentlich?

Jule: Der Blog hatte seine Geburtsstunde eigentlich kurz nachdem ich meine Liebe zum Zweirad entdeckt habe. Zunächst war es tatsächlich nur eine Art Tagebuch für mich, um festzuhalten auf welchen Rennradrennen ich mich so rumtreibe und wie es so luppt. Dieser ganze Rad- und Sportzirkus war etwas ganz Neues für mich und das wollte ich irgendwie festhalten. Ich mag Erinnerungen sammeln! Irgendwann fand ich richtig Spaß am Schreiben und wollte meine Berichte nen bissken mehr zum Funkeln bringen. Ich begann noch weniger über mich und viel mehr über die Veranstaltungen und das Bling-Bling drum herum zu erzählen, damit ich zum einen meine Erfahrungen teilen konnte und zum anderen ein Mehrwert für den Leser entsteht. Lange habe ich den Blog dann im Verborgenen schlummern lassen, aber habe dann doch irgendwann den Mut gefunden ihn öffentlich zu machen. An der Entwicklung des Blogs kann ich auch meine eigene Entwicklung ablesen. Wenn ich darauf zurück blicke, erkenne ich die Person die ich zu Beginn war kaum noch wieder. Den Blog allerdings auch nicht. Irgendwann habe ich dann nicht mehr nur über Veranstaltungen geschrieben, sondern eher allgemeiner über (lizensierten) Hobbyradsport in Pottschnauze (hier komm ich numma wech). Rennanekdoten, Trainingsmotivation, kulinarische Highlights und so total schlaue Sprüchsken und Weißheiten, damit auch ein wenig Niveau erhalten bleibt. Der Blog ist also für alle Radsportheinis da draußen, die Zweiräder lieben, die auf bekloppte und nicht so ernstgemeinte Radsportgeschichten abfahrn, ein bissken oder viel Motivation und watt zum Schmunzeln suchen, aber auch wissen wollen watt so abgeht.

"Dieser ganze Rad- und Sportzirkus war etwas ganz Neues für mich und das wollte ich irgendwie festhalten."
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Jule ist ein Energie- und Kreativitätsbündel!

Judith: Dein Slogan ist „Love Cycling and Talk about it - and don't forget the cookies". Was steckt dahinter?

Jule: Die Leidenschaft zum Radsport hat mich sehr schnell und völlig in Brand gesetzt und mich und mein Leben auch völlig auf den Kopp gestellt. Ich bin mit nem Köpper ins arschkalte Radsport Weltwasser gesprungen, habe auch erstmal viel falsch gemacht, aber dadurch natürlich auch viel gelernt. Meine persönliche Entwicklung zu einem offenen, positiven Gemüt habe ich der Liebe zum Radfahren zu verdanken. Wenn man mit dem ganzen Herzen bei der Sache ist, dann kann man so viel erreichen – natürlich nicht nur im sportlichen Sinne. Wenn man bewusst lebt, im Hier und Jetzt, dann werden kleine Augenblicke so wertvoll, und das ist der Weg zum großen Glück und der Weg ins gesunde Leben. Ich möchte so gern alle Menschen da draußen mit diesem Glück anstecken und am liebsten mit einer Glücksepidemie die ganze Erde verseuchen. Ich teile gern und teilen ist hier der einzige Weg die Glücksmomente, die Liebe zum Radsport und das Glück und die Freude zu vervielfachen! Also: Love Cycling and Talk about it! Ach ja! Und die Kekse sind natürlich nicht nur lecker und überlebenswichtig, sondern hier ein Symbol dafür, dieses ganze Trainingszeug nicht zu ernst zu nehmen, sich zu belohnen und sich nicht zu sehr zu geißeln, auch wenn man vielleicht sportliche Ziele hat. Man darf die Freude nicht verlieren, dann verliert man auch die Leidenschaft und verbeißt sich vielleicht in einem Leistungs-Strudel! Dann doch lieber ein Keks garniert von einer Sahnehaube wertvoller Freizeit.

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Es gibt auch bei Jule stille Momente.

Judith: Wenn man dich erlebt – im echten Leben oder „digital“, du scheinst vor Energie zu sprühen. Ist das (immer) so? Was tankt dich auf?

Jule: Jedes Leben da draußen hat wohl sein Päckchen zu tragen und auch mal schwere Satteltaschen am Rad. Jede Seele auf ihre eigene Art und Weise und natürlich ist nicht immer alles schön und bunt und lustig und voller Energie. Im Gegenteil. Es gibt viele stille Momente und die Sonne scheint auch bei mir nicht permanent, auch wenn es oft so ausschaut als würde ich dauergutgelaunt sein und nur Urlaub machen. Das Radsport Karussell ist zwar ein sehr großes, aber auch nur eines meiner Fahrgeschäfte. Da stehen ja noch ne ganze Menge mehr und was da hinter der Kulisse passiert, das gehört nicht auf das Karussell.

"Dazwischen ist aber erstmal viel Kälte, Nässe, Schnee, Pampe, Russisch-Roulett-Trainingseinheiten auf Glatteis und allerhand anderer Schisselameng. "

Judith: Du rufst jedes Jahr im Herbst zur „Aktion Motivation“ auf. Erzähl mal mehr darüber …

Jule: Au ja! Ich liebe die Aktion so sehr! “Watt euch motiviert, motiviert auch andere und watt andere motiviert, motiviert auch euch!” Das ist das Motto der "Aktion Motivation", um das sich eigentlich alles dreht. Wenn die eine Saison vorbei ist und die nächste in den Startlöchern steht, genau dann ist auch die Zeit, sich um die Highlights und Höhepunkte für das kommende Jahr zu kümmern – So watt wie „da möcht ich ma teilnehmen" oder gar "auffe Treppe“böser oder oder! Man schaut dabei zurück in die letzte Saison, was super, fantastisch, atemberaubend oder besonders kacki, schmerzhaft und für die Kategorie „nich so schlau“ war. Was will man noch mal und was kann man besser machen und vor allem wie? Dazwischen ist aber erstmal viel Kälte, Nässe, Schnee, Pampe, Russisch-Roulett-Trainingseinheiten auf Glatteis und allerhand anderer Schisselameng. Quasi perfekte Bedingungen für Ausreden: „Eigentlich wollte ich ja heute eh unbedingt die Bude putzen“ und Zielverwischung: Treppe? – och nö, dat is mir doch gar nich so wichtig – Hauptsache Spaß und ankommen. Jaja! Der Winter und die Saisonpause, die fiesen Möppe, treiben ihren Schabernack und machen’s einem nun echt nicht leicht. Dazu klingt es von allen Seiten: „Gewinner werden im Winter gebacken“ und damit sind ja leider keine Plätzken gemeint! Manchmal vergisst man da seine ausgetüftelten Ziele und die Gründe warum man sich hier und da so hässlich quält und fragt „wozu überhaupt“ (bei 3h Grundlagentraining im Schneeregen zum Beispiel – ganz toll), schließlich is dat doch alles nur für Spass. Multipler Motivationsmangel – wer kennt’s nicht. Darum ist es wichtig sich immer wieder zu motivieren und seine Wünsche, Ziele und Träume über den Winter nicht zu vergessen. Ich dachte eine Gedankenstütze wäre da prima und weil wir alle im selben (Tret)Boot sitzen, können wir uns auch alle gegenseitig unterstützen. Ich sammle also die Highlights und sportlichen Höhepunkte aus der letzten Saison in Form eines Fotos, von jedem der mitmachen mag, um damit Wintermotivation für die kommende Saison zu generieren. Ich erstelle dann ein Plakat mit diesen ganzen Motivationsmomenten und stelle es im Blog, als Download zur Verfügung. So kann es sich jeder ausdrucken und an die Wand pinnen. Und die schönste Motivation für mich ist, dass sich so viele darüber freuen und sich tatsächlich damit motivieren können. Wenn mich Fotos von den hängenden Plakaten erreichen, flippe ich jedes Mal aus vor Freude!

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Hauptsache Spaß und ankommen.

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Wir sitzen alle im selben (Tret)Boot!

Judith: Als Blogger sendet man ja erst einmal einfach so in die Welt hinaus und weiß gar nicht so genau, ob, wie und wo die eigenen Botschaften ankommen. Ist das ein Thema für dich?

Jule: Ich glaube es ist ne gemischte Tüte. In erster Linie schreibe und zeige ich nur das was mich auch interessiert/was ich gerne mit anderen teilen möchte oder wo ich meine, dass sollten unbedingt alle wissen. Ich generiere keinen Content, nur weil das Thema XY gerade voll hip ist um Klickzahlen zu erhöhen oder sowas. Darum gibt es auch keine richtige Regelmäßigkeit in meiner Aktivität. Et kütt wie et kütt. Mir ist wichtig, dass es entweder Hand und Fuß hat und immer authentisch oder halt lustiger Quatsch ist. Wenn man eine gewisse Reichweite hat, trägt man auch eine gewisse Verantwortung. Ich weigere mich z.B. Produkttests zu machen oder Werbung zu schalten. Das hat immer so einen faden Beigeschmack, kann ich selbst nicht leiden und darum kommt mir sowas auch nicht inne Tüte. Das sollen andere machen, auch wenn es die Keksdose vielleicht etwas füllen würde. Natürlich juckt es mich auch wie was ankommt und ich freue mich wie ein kleines Kind über jeden Daumen unter so nem Facebook-Post - Ich poste aber nicht um möglichst viele Daumen abzustauben. Ich kann auch sehr gut damit leben, wenn die Leutchen meine Meinung nicht teilen und auch mal was Kacke finden und mir das auch mitteilen.

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Jules erste eigene Ausstellung!

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Fingerkritzelei

Judith: Vor kurzem gesellte sich zu «Jule radelt» noch «Jule kritzelt». Was hat es damit auf sich?

Jule: Im Schlechten ist ja auch immer watt Gutes - so war es auch mit der Kritzelei. In einer längeren Kankheitsphase im Winter 14/15 habe ich meine Stifte wieder ausgekramt, die schon Jahre vor sich hintrockneten. Die ersten Motive waren da natürlich Zweiradmotive. Wenn schon nicht draußen radeln, dann wenigstens auf'm Papier. Ich habe die Bilder als Geschichtenersatz in meine Kanäle gejagt und die Leute fanden's ganz gut. Das hat mich motiviert, wieder mehr zu machen. Ein Hashtag musste her: Jule kritzelt war geboren. Letztes Jahr hatte ich dann sogar eine eigene Ausstellung und kann das ehrlich gesagt immer noch nicht fassen. Das war gigantisch toll! Möglich war sie übrigens auch nur, weil ein ganz lieber Kontakt, der mir "folgt", mir die Tür zur Ausstellung aufgemacht hat. Und das i-Tüpfelchen: Seit nem Jahr darf ich für die world of mtb ne Seite zum Thema Radsport bekritzeln. Hallo?! Ich platze vor Stolz!

Judith: Deine Kreativität und deine zeichnerischen Fähigkeiten: Sind das angeborene Talente oder (auch) hart erarbeitet?

Jule: Das Kritzeln ist, im Gegensatz zum Radsport, ne angeborene Liebe, die ich besonders während meiner Schulzeit extrem ausgelebt habe. Hefte, Bücher, Tische und Butterbrottüten... nichts war sicher. Mit dem Berufsleben und anderen Hobbys (Musik/Fotografie/Radsport) ist es dann leider eingeschlafen. Wenn man da nicht an sich arbeitet, verliert man auch etwas an Können, aber es kommt schnell zurück wenn man ein wenig "trainiert". Talent bleibt ja da und man kann es sich durch schlechte Ernährung und faulenzen auch glücklicherweise nicht so kaputt machen wie gute und hart antrainiere Wattwerte im Wettkampftraining.

Judith: Wie entsteht so eine Zeichnung von dir?

Jule: Meistens kritzel und krakel ich einfach völlig wild drauf los. Man kann da noch gar nichts erkennen. Dann wird gedreht und gewendet bis ich was sehe und fange an, was ich sehe, raus zu arbeiten. Manchmal bleibt es aber auch nach tausenden Drehungen ein Kindergartengemälde ... Dann lasse ich es und gehe lieber Radfahren. Anders ist es, wenn ich ein Thema vorgegeben habe oder etwas Bestimmtes ausdrücken will. Da habe ich dann auch immer schon ein fertiges Bild im Kopp, was ich irgendwie aufs Papier beamen muss.

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Jule radelt: aus Freude...

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...und ins Glück.

Judith: Außer auf deinem Blog und im Magazin - kann man deine Zeichnungen sonst noch wo bewundern?

Jule: Jaaa! Kann man! Ein kleines Sammelsurium gibt es auf der Webseite (http://www.jules-arts), auf der sich auch das Büdchen für die Drucke befindet. Da findet man z.B. auch alle Kritzeleien, die in der world of mtb waren auf einem Haufen. Da viele Motive auch nichts mit Radfahren zu tun haben, gibt es auch eine Jule kritzelt Facebookseite. Außerdem hängen seit Oktober ganz viele Kritzeleien im Kröger by Underdog Hotel in Hamburg rum. Eine ganze Etage - die erste, falls da mal wer schnüffeln mag. Da kann man die Drucke sogar auch kaufen. Das Hotel ist der Oberknaller und eine wahre Freude für sportliche Designliebhaber. Da bin ich natürlich megastolz, dass die Inhaberin Wiebke Ortmann der Meinung ist, dass meine Kritzeleien da super reinpassen! Was für eine Ehre!

"Ich mach was mir gefällt. Pippi Langstrumpf Style!"
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Judith: (Noch) ist dein Blog ein reines Hobby? Könntest du dir vorstellen, das – wie viele andere erfolgreiche Blogger - mal zum Beruf zu machen?

Jule: Ne, ich denke nicht. Ich bin da total frei und ich mach was mir gefällt. Pippi Langstrumpf Style! Da gibt es keine Vorgaben und auch keine Grenzen. Ich glaube, dass vieles von meinem Zeug so gut ankommt, weil es einfach authentisch ist und ich kann so authentisch sein, weil ich alles frei Schnauze und mit einer gewissen Leichtigkeit machen kann. Wenn ich nu damit meine Keksdose füllen müsste, bekommt alles einen Zwang und ich müsste vielleicht auch über Dinge schreiben, auf die ich keinen Bock habe oder auf jeden Fall schreiben, obwohl mir gar nicht danach ist. Neeee! Dat kann nicht gut gehen. Es ist nur zum Spässken anner Freude und so soll's auch bleiben! Es gibt auch eine Jule kritzelt Facebookseite!

"Im Hier und Jetzt werden kleine Augenblicke so wertvoll, und das ist der Weg zum großen Glück und der Weg ins gesunde Leben."

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