Biehler Heavy24

Text Holger SchaarschmidtBild Sportograf
Event

Das heißeste 24 Stunden Mountainbike Rennen des Jahres!

Biehler Heavy24 – Oh Mann auf was haben wir uns da eingelassen?! Stefan und ich sitzen nebeneinander im Auto auf dem Weg vom Bayerischen Wald nach Norden in meine alte sächsische Heimat. Die Sonne glüht am Himmel und die Klimaanlage muss massivst Arbeit leisten. Mit maximaler Drehzahl pustet uns die Lüftung hastig die kühle Luft ins Gesicht. Auf dem Armaturenbrett könnte man Spiegeleier braten. Die Gedanken drehen sich weniger um Arschcreme und die perfekte Verpflegung, als um Eiscreme oder kaltes Bier. Alkoholfreies Bier natürlich!

Stefan und Holger haben "Ja" gesagt und wurden überrascht!

Heiß, heißer, Heavy36

Unser Ziel ist das BIEHLER Heavy24 bei Chemnitz. Der Wetterbericht im Radio kündigt halbstündig rekordverdächtige Sommertemperaturen für das Wochenende an. Heavy36 nicht Heavy24 sollte das Event heißen! Dabei sind sich Stefan und ich einig! Einig sind wir uns nicht über die Renn-Taktik. Die Tendenz geht zu "Schau mer mal."

Das Fahrerlager

Am Stausee ist das Race-Village bereist gut gefüllt. Im Sonnenuntergang rollen wir auf den Platz und werden von den überaus freundlichen Helfern zur Registrierung und zu unserem reservierten Standplatz geleitet. Rasch stellen wir den Pavillon auf. Wenn wir das richtig sehen, ist der Pavillon hier das Mittel der Wahl, um sein Revier zu markieren, quasi das was dem Pauschaltouristen im Urlaub sein Handtuch auf der Sonnenliege ist. Apropos Sonnenliege - in der Nachbarschaft sind die erfahren Rennteilnehmer schon einige Schritte voraus. Schlauchboote wurden zu Badewannen umfunktioniert. Akkubetriebene Mini-Tauchpumpen mit angeschlossenen Duschkopf, so erfahren wir, sollen den aufgeheizten Rennfahrern Kühlung bringen. Festivalstimmung! Wir fühlen uns zu Hause. Die Grills rauchen neben den Zelten, es stinkt bzw. duftet - das liegt im Auge bzw. der Nase des Betrachters - nach Roster. Musik schallt durch die Reihen des Camps und verblüffenderweise sieht man verdammt viele Rennfahrer mit Bierchen in der Hand und einem schon erstaunlich leer wirkenden Kasten unter dem Hintern. Ist das etwa das Geheimnis der perfekten Vorbereitung?!

Idyllisch liegt der Stausee Rabenstein bei Chemnitz. Für ein Wochenende im Jahr gehört das Erholungsgebiet den Mountainbikern. Ob sich von denen tatsächlich jemand erholen konnte, ist fraglich.

Das Race-Village mit Camping und Start/Zielbereich. Im weißen Zelt rechts im Bild wurden über 24 Stunden lang abertausende Bemmen (aka. geschnittene Brotscheiben) geschmiert und mit Käse, Wurst oder Süßkram drapiert.

Renntaktik

Wir haben noch nie bei einem ähnlichen Rennen teilgenommen, weshalb wir bereits am Freitag Abend Anreisen, um über die optimale Renntaktik von erfahrenen Teams zu lernen. Moni und Frank Egger von www.radlblog.de sind Profis was die Teilnahme an 24h Rennen angeht. Bei verschiedene Veranstaltungen haben wir uns schon getroffen. Ihre Leidenschaft für´s Biken ist unglaublich und der Humor mit dem sie an die Sachen herangehen unbeschreiblich. Bei einem gemeinsamen Bierchen lernen wir die Grundregeln für die erfolgreiche Überlebensstrategie bei einem 24 h Rennen kennen. Erste Fehler werden uns schon vor dem Start bewußt. Es beginnt bereits bei der Registrierung mit einen maximal kreativen Namen. Stefan und ich sind beinahe beschämt von unserem langweiligen Teamname "world of mtb". Moni und Frank dagegen machen uns sprachlos. Ihr Teamname: "Kumm schdoss mol uff moin Schatz, isch riesch die Lewwerworscht so gern".

Unsere direkten Nachbarn sind ebenfalls erfahrene Heavy24 Freaks und extra aus Norddeutschland angereist. Zu dritt versorgen sie den Beklopptesten unter Ihnen, der den etwa 10 Kilometer langen Rundkurs, mit ca. 145 hm so oft wie möglich allein bewältigen will. Ich bin froh, dass Stefan und ich uns die Herausforderung teilen dürfen. Unsere Taktik für das Rennen steht, bevor wir uns nach vielen kurzen Nächten der vergangenen Woche todmüde aufs Ohr hauen. Falls nichts dazwischen kommt, behalten wir einen Zweierrhythmus bei. Das heißt Stefan fährt zwei Runden, danach ich zwei und so weiter. Wie lang das dauert? Keine Ahnung...morgen sind wir schlauer.

1.300 Starter stellen sich der Herausforderung bei 36°C, Staub und maximalmotivierter Konkurrenz - 24 Stunden lang. Nur etwa 300 Rennfahrer befinden sich gleichzeitig auf der Strecke, die mit zahlreichen Singletrails als einer der attraktivsten 24h Rundkurse in Mitteleuropa gilt!

Wer es ausgeheckt hat, darf auch anfangen. Holger übernimmt die erste Schicht. Nach jeder zweiten Runde wird ausgeruht und Stefan geht auf die Strecke.

Startschuss

12 Uhr mittags fällt der Starschuss! In Blöcken starten zuerst die 8er, dann die 4er und zweier Teams, zum Schluss die Einzelfahrer. Auch wenn jedem Rennteilnehmer maximale Anerkennung gebührt, die eigentlichen Helden sind in meinen Augen tatsächlich die Einzelstarter!

Sonne und Hitze habe den Boden im Wald komplett jegliche Feuchtigkeit entzogen. Der Staub setzt sich in jeder Pore der Haut ab, verklebt die Nase und die Augen. Die wilde Meute hetzt durch den Wald als wären wir auf einem kurzen XC-Rennen. Nur nicht überhasten! Wir sind noch lang unterwegs. Eine konstante Geschwindigkeit über die 24 Stunden zu halten ohne sich zu verausgaben, ist eine Kunst. Besonders die Einzelstarten müssen die Füße ruhig halten, um ihre Reserven zu schonen.

Die Strecke

Die Strecke begeistert Stefan und mich. Hatten wir eine langweilige Wald- und Schotterweg-Orgie erwartet, sind wir nun positiv überrascht. Wurzel- und Flowtrails wechseln sich ab, kurze Schotterwegpassagen lassen uns auch einmal durchatmen oder geben Raum, um vor dem nächsten Trailabschnitt, wo es eng werden könnte, nochmals andere Rennfahrer zu überholen. Wie war das mit ruhig bleiben? Garnicht so einfach, wenn man einmal drin ist im Geschehen.

Nach zwei Runden erwartet mich Stefan bereits in der Wechselzone. Die Übergabe des Staffelstabs in Form eines flexiblen Bands, was man sich wie einen Armreif um den Arm legt, üben wir dann bei der nächsten Übergabe nochmals. Hastig wetzen die anderen Teams an uns vorbei. Es herrscht hektisches Getümmel, das sich jedoch im Laufe des Rennens noch beruhigt. Mit zwei, drei Sätzen erreicht Stefan die Hürde am Ende der Wechselzone, springt gekonnt auf sein Mountainbike und ist verschwunden. Ich atme durch, huste den staubigen Belag aus meiner Lunge und dem Rachen und ziehe direkt ohne Abzusetzen einen Liter Wasser rein. Der Puls beruhigt sich langsam, während ich mir hungrig Marmeladenbrot und Bananen in den Mund stopfe.

Stefan fliegt regelrecht über die Strecke.

Die Kunst beim 24 Stunden Rennen ist es möglichst konstant zu fahren und "rote" Bereiche zu vermeiden.

Trails und Forstwege wechseln sich ab. So kommt keine Langweile auf!

Fahrtwind und Schatten auf der Strecke. Auch wenn es komisch klingt - das war angenehmer als im Fahrerlager.

Zwischenbilanz

Stefan und ich fahren ein konstantes Rennen. Nach etwa 6 Stunden hat sich eine Rundenzeit von ca. 22 Minuten etabliert. Nach etwa 40 Minuten erwarten wir uns jeweils im Start/Zielbereich. Nach einiger Zeit bekommen wir auch die Übergabe der Armreifen hin. Die Pausen werden zum Trinken, Quatschen mit anderen, treffen der Freunde - die zahlreich aus der Umgebung zum anfeuern und mitfiebern angereist sind - und vor allem Runterkühlen an der Dusche unserer Nachbarn genutzt. Während des Rennens wachsen sie uns immer mehr ans Herz. Nicht nur ihren verrückten Freund, der als Einzelstarter unterwegs ist, sondern alle Teilnehmer, die das Camp passieren, kommen bei ihnen während des Rennes in den Genuss einer Abkühlung. Das Schlauchboot, das als Wasserreservoir dient, muss sicher 10mal aufgefüllt werden.

Unglaublich was die Chemnitzer hier auf die Beine gestellt haben und wie sie mit Begeisterung alle Athleten zu Höchstleistungen anfeuern. Einige harren selbst in den Nachtstunden aus und feuern jeden einzelnen Rennteilnehmer an. Bässe dröhnen aus fetten Boxen am Gummistiefelweg, während der DJ in den frühen Morgenstunden doch vom Schlaf überwältigt wird. An einer anderen Stelle steht ein maskierter militanter Fan und beschallt euphorisch die Rennfahrer mit Technobeats, um sie vor etwaiger Müdigkeit zu bewahren.

Tags die pure Idylle, bei Nacht die fetteste Party! Technobeats schallen durch den Mischwald, während die Teilnehmer staccato in die Pedalen stapfen und den Morgenstunden entgegen kurbeln.

Die Nachtstunden bringen ersehnte Abkühlung im tropisch heißen Sachsen.

Die letzten Stunden

In den frühen Morgenstunden änder wir unseren Rhythmus. Aus zwei gefahrenen Runden vor dem Wechsel werden drei, um kurz zur Ruhe zu kommen und auch einmal die Augen schließen zu können. Stefan gelingt der Power Nap, ich komme zwar nicht in den Schlaf, genieße es jedoch eine Stunde nicht in Sattel zu sitzen. Unsere konstante Fahrweise zahlt sich aus. Wir führen die Wertung der Zweierteams an. Das motiviert uns zusätzlich bis zur letzten Minute unsere Leistung zu halten. Passieren kann nicht mehr viel! Mit zwei Runden Abstand auf das zweite Team fahren wir auf das Treppchen! Für unser Debüt nicht schlecht. Stefan und ich sind superglücklich und supermüde!

Fazit:

24 Stunden, 62 Runden, 620 Kilometer, 8.990 Höhenmeter. Geil wars!

Besten Dank an die super Organisation des Biehler Heavy24 in Chemnitz Rabenstein! Die Strecke war abwechslungsreich und auch nach 62 Runden nicht langweilig. Sowohl im Race-Village und an der Strecke war die Stimmung super. In der Wechselzone ging es geordnet zu und die Helfer im Catering-Zelt haben einen super Job gemacht, auch wenn manchem Teilnehmer im Unterzucker das Lächeln doch hin und wieder schwer fiel. Ein paar lässige Sprüche und aufmunternde Worte der Helfer haben da Wunder bewirkt. Die Versorgung war mustergültig...auch wenn ich mir nach spätestens 12 Stunden nichts sehnlicher als eine Portion Nudeln statt der geschmierten Bemmen gewünscht hätte.

Wir kommen jedenfalls wieder! Schließlich haben wir einen Titel zu verteidigen!

Erstaunlicherweise konnten wir auch Nachts unser relativ hohes Tempo halten. Die richtige Müdigkeit stellte sich erst mit Ende des Rennens ein.

Einen besseren Partner als Stefan hätte ich mir für das Rennen nicht wünschen können. Im Sonnenaufgang sind die Zeichen der Müdigkeit nicht mehr zu verbergen und wir wechseln zwischenzeitlich den Rhythmus von zwei auf drei Runden, um einen Power Nap einzulegen.

ACHTUNG! ACHTUNG!

Vormerken!

Das 14. Biehler Heavy24 Rennen findet im Zeitraum vom 26.-28. Juni 2020 statt!

Am 6. Oktober 2019 wird auf www.mtb-chemnitz.de
die Anmeldung zum 14. BIEHLER Heavy24 freigeschalten!

Ab 12:00 Uhr beginnt der interaktive Run um einen der heiß begehrten Startplätze. Diese sind streng limitiert und erfahrungsgemäß nach nur wenigen Stunden ausgebucht! Also ranhalten! Beim echten Rennen könnt ihr es dann entspannter angehen lassen, wenn ihr könnt!